Geheime Bezüge
Künstlerschicksale prägen das Bild der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Man kennt nur ein Leben, sein eigenes.» Strindbergs Bekenntnis zur ‹Ich-Dramatik› setzt sich aber nicht nur im Drama durch, sondern findet Nachahmer auch unter den Komponisten – man denke an Schrekers «Der ferne Klang» oder Pfitzners «Palestrina».
Zwei selten gespielte Künstleropern mit autobiografischem Hintergrund, Arnold Schönbergs «Die glückliche Hand» (1913) und Leos Janáceks «Osud» (1906), haben Jossi Wieler und Sergio Morabito zu einem Doppelabend gekoppelt, der scheinbar nur die Unvereinbarkeit der beiden Stücke betont, aber doch geheime Bezüge schafft.
Den Anfang macht Schönbergs Einakter, mit zwanzig Minuten Spieldauer ein Wunder an musikalischer Verdichtung. Im Zentrum des von Strindberg inspirierten Geschlechterkampfs steht der einsame Künstler. Erfolg, eine glückliche Hand also, hat er nur in der Arbeit, während ihm die Liebe versagt bleibt. Ihm zur Seite steht ein Flüsterchor warnender und tröstender Stimmen. Textlich bleibt das Ganze banal und gewinnt seinen beschwörenden Ausdruck allein durch die Musik, deren expressive Gewalt Schönberg mit unerhörter Meisterschaft durchs Nadelöhr der ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Nach der 1999 veröffentlichten Keilberth-Aufnahme (München, live 1963) und der 1986 bzw. 1988 in zwei Teilen konzertant mitgeschnittenen Produktion unter Otmar Suitner liegt nun ein weiterer Live-Mitschnitt von Pfitzners «Palestrina» vor – aus der Oper Frankfurt.
Ein knappes Jahr nach der Premiere (Regie: Harry Kupfer, vgl. OW 8/2009) wurde im Juni 2010...
Es muss ein beschauliches Städtchen sein: Loudun, 7000 Einwohner, im Département Vienne südwestlich von Paris. Doch 1634 ereignete sich hier Grauenhaftes: Der charismatische Pfarrer des Ortes, Pater Grandier, wird der Hexerei für schuldig befunden, entsetzlich verstümmelt und bei lebendigem Leibe verbrannt. Auslöser der Ereignisse, die Historiker heute als...
Als vorangestellter Kontrapunkt zur barocken Feinkost des in Krakau seit neun Jahren veranstalteten Festivals «Misteria Paschalia» war eine Sensation angekündigt: Die erste szenische Aufführung von Krzysztof Pendereckis «Lukas-Passion» in der Regie von Grzegorz Jarzyna und unter der musikalischen Leitung des Komponisten. Penderecki zählt zu den bekanntesten...
