Geheime Bezüge
Künstlerschicksale prägen das Bild der Literatur zu Beginn des 20. Jahrhunderts. «Man kennt nur ein Leben, sein eigenes.» Strindbergs Bekenntnis zur ‹Ich-Dramatik› setzt sich aber nicht nur im Drama durch, sondern findet Nachahmer auch unter den Komponisten – man denke an Schrekers «Der ferne Klang» oder Pfitzners «Palestrina».
Zwei selten gespielte Künstleropern mit autobiografischem Hintergrund, Arnold Schönbergs «Die glückliche Hand» (1913) und Leos Janáceks «Osud» (1906), haben Jossi Wieler und Sergio Morabito zu einem Doppelabend gekoppelt, der scheinbar nur die Unvereinbarkeit der beiden Stücke betont, aber doch geheime Bezüge schafft.
Den Anfang macht Schönbergs Einakter, mit zwanzig Minuten Spieldauer ein Wunder an musikalischer Verdichtung. Im Zentrum des von Strindberg inspirierten Geschlechterkampfs steht der einsame Künstler. Erfolg, eine glückliche Hand also, hat er nur in der Arbeit, während ihm die Liebe versagt bleibt. Ihm zur Seite steht ein Flüsterchor warnender und tröstender Stimmen. Textlich bleibt das Ganze banal und gewinnt seinen beschwörenden Ausdruck allein durch die Musik, deren expressive Gewalt Schönberg mit unerhörter Meisterschaft durchs Nadelöhr der ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Vom Spätwerk Franz Schrekers zu sprechen, wäre unangemessen. Der Komponist, Jahrgang 1878, starb bekanntlich an den Folgen eines Schlaganfalls, nachdem er von den Nazis aus dem Amt als Leiter der Berliner Musikhochschule gejagt und auch sonst diffamiert worden war. Da war er Mitte fünfzig. Dennoch gibt es einen Umschwung in Schrekers Schaffen, der in den zwanziger...
Ein orientalisches Märchen haben Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal nach eigenem Bekunden zur Oper ausgestaltet, als sie mitten im Ersten Weltkrieg «Die Frau ohne Schatten» schufen. In Claus Guths Regie an der Mailänder Scala wird aus dieser poetischen Allegorie à la «Zauberflöte» der reale Alptraum einer leidenden Frau. Schon die resolute, emanzenhaft kecke...
Herr Nelsons, warum dirigieren Sie am liebsten Repertoirevorstellungen?
Ich bin auch für neue Produktionen zu haben, aber sie sind oft zu zeitraubend. Außerdem kommt die Musik dabei vielfach nur an zweiter Stelle. Das sage ich, obwohl ich in Bayreuth sehr gute Erfahrungen mit Hans Neuenfels gemacht habe. Ein cleverer Mann, der Provokationen nicht aus Unkenntnis,...
