Gefallene Engel
Auch nach zweimaligen Lesen staunt man ungläubig: Die spielen das Stück tatsächlich dort. Im ehemaligen Augsburger Gaswerk, wo die Brecht-Bühne des Staatstheaters beheimatet ist. Normalerweise wäre das nicht weiter erwähnenswert, doch auf dem Spielplan steht «Das Tagebuch der Anne Frank». Und bevor das Kopfschütteln überhandnimmt, geht die Inszenierung von Nora Bussenius gleich offensiv mit dem Aufführungsort um. «Willkommen im Gaswerk, im Museum der letzten Dinge», tönt es vor Beginn aus Lautsprechern. «Die Türen zum Gaswerk werden jetzt geschlossen.
» Zurück bleiben das Publikum, ein Mini-Orchester und eine junge Frau in der Vitrine. Ein Ausstellungsstück, ferngerückt dadurch und doch so nah.
Ohnehin schwebte Grigori Frid in seiner 1977 uraufgeführten «Mono-Oper» keine lineare Nachzeichnung vor, auch keine tiefenscharfe Charakterisierung der Hauptfigur, was doch nur zur vergeblichen, peinlichen Identifikationsbemühung führen würde. Die 21 Kurzszenen umkreisen und reflektieren eher Anne Frank und ihre Zeit. Es sind Schlaglichter des Schreckens, aber auch des Skurrilen und des Burlesken: Das Mädchen in der Amsterdamer Prinsengracht 263 notierte schließlich nicht nur Dunkles. Frid ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Markus Thiel
Francis Poulencs vierzigminütiger Monolog «La voix humaine» ist eine Tour de force für eine Sopranistin. Auf der Szene dieser 1959 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführten dritten und letzten Oper des großen französischen Lyrikers steht nur eine einzige Person, eine namenlose, «Elle» («Sie») genannte junge Frau. Ihr Geliebter hat sie verlassen. In einem...
Auf dem Cover der Kassette grüßt René Jacobs mit listigem Gesichtsausdruck, Daumen und Zeigefinger zu jener Geste verbindend, mit der man im Schattenspiel einen Hasen an die Wand wirft, die ein Dirigent aber auch nutzt, um Präzision zu suggerieren. Und wie der Zufall es will, erscheint beim Googeln im Internet im Zusammenhang mit «Jacobs» und «Operas» auch der...
Der englische Regisseur James Bonas feiert mit «Ariadne auf Naxos» in Magdeburg (man spielt die spätere, mit einem langen «Vorspiel» bestückte Fassung) sein Deutschland-Regiedebüt. Und er darf gerne, sehr gerne wiederkommen! Das «Vorspiel» inszeniert Bonas auch als solches, lässt die Sängerinnen und Sänger (nebst Schauspielerin Susi Wirth als rauchig-genervtem...
