Gefallene Engel
Auch nach zweimaligen Lesen staunt man ungläubig: Die spielen das Stück tatsächlich dort. Im ehemaligen Augsburger Gaswerk, wo die Brecht-Bühne des Staatstheaters beheimatet ist. Normalerweise wäre das nicht weiter erwähnenswert, doch auf dem Spielplan steht «Das Tagebuch der Anne Frank». Und bevor das Kopfschütteln überhandnimmt, geht die Inszenierung von Nora Bussenius gleich offensiv mit dem Aufführungsort um. «Willkommen im Gaswerk, im Museum der letzten Dinge», tönt es vor Beginn aus Lautsprechern. «Die Türen zum Gaswerk werden jetzt geschlossen.
» Zurück bleiben das Publikum, ein Mini-Orchester und eine junge Frau in der Vitrine. Ein Ausstellungsstück, ferngerückt dadurch und doch so nah.
Ohnehin schwebte Grigori Frid in seiner 1977 uraufgeführten «Mono-Oper» keine lineare Nachzeichnung vor, auch keine tiefenscharfe Charakterisierung der Hauptfigur, was doch nur zur vergeblichen, peinlichen Identifikationsbemühung führen würde. Die 21 Kurzszenen umkreisen und reflektieren eher Anne Frank und ihre Zeit. Es sind Schlaglichter des Schreckens, aber auch des Skurrilen und des Burlesken: Das Mädchen in der Amsterdamer Prinsengracht 263 notierte schließlich nicht nur Dunkles. Frid ...
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Opernwelt April 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Markus Thiel
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Tränen gelacht zuletzt bei Tobias Kratzers «Götterdämmerung», als eine Norn und später Waltraute als meine Doppelgängerinnen auftraten.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Ich würde kein neues Haus bauen, vielmehr schauen, wie man die vielen, die es schon gibt, für die Zukunft erhalten und verändern kann. Wie kann man...
Der kleine Amor hat spürbar Lust auf diesen Abend. Zu den ersten Takten des Vorspiels klettert er aus den Tiefen des Bühnenbodens herauf, richtet die Kissen und zieht beim übergroßen Himmelbett die Gardinen zu für das, was wir im Orchestergraben ohnehin schon deutlich hören: den Liebesrausch zwischen der Marschallin und ihrer jugendlichen Amour fou Octavian. Nicht...
Ein Triumph. Und zwar auf beiden Ebenen: musikalisch wie inszenatorisch. Nicht anders beschreiben lässt sich, was Ende Januar, Anfang Februar in der Semperoper zu erleben war. Nun war nach Christian Thielemanns umjubeltem Einspringer-Dirigat für Daniel Barenboim zu dessen Geburtstags-«Ring» an der Staatsoper Berlin eigentlich nichts anderes zu erwarten. In Dresden...
