Geckentheater
Am Ende holt ihn der eigene Alptraum ein: Baculus liegt in seinem Blut, erschossen wegen eines angeblich gewilderten Rehbocks! Von einem Doppelgänger verfolgt fühlt sich der Schulmeister schon in der Ouvertüre, schlussendlich erliegt er wohl der eigenen Fantasie. Zwischen Anfang und Ende dieser lang ersehnten, seit 43 Jahren ersten Dresdner Neuproduktion des «Wildschütz» war manch Angenehmes zu hören, doch wenig Anregendes zu sehen.
Denn bis auf diese eine Idee gab Regisseur Jens-Daniel Herzog nicht wirklich preis, was er mit dieser hintersinnig-prickelnden Komischen Oper heute erzählen will.
Vermutlich auch deshalb wird in seiner Inszenierung hemmungslos chargiert, kein noch so abgestandener Theater-Gag ausgelassen: Da knallen Türen gegen Köpfe, wird gestolpert, an Hauswände gepinkelt und das für die berühmten 5000 Taler verscherbelte Gretchen von den feilschenden Männern en passant niedergestreckt. Ach ja – es ist und bleibt das Komische, das so schwer zu machen ist! Man vermisst nicht nur ein Gespür für die Ironie und Doppeldeutigkeiten dieses Verwirrspiels der Gefühle, sondern vor allem für das Tempo der Szenen. Ganz abgesehen davon, dass die Pseudo-Laszivität zweier ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Bettina Volksdorf
Kleingeistige Tyrannen, Odalisken, Harems, grausame Bestrafungen und dergleichen mehr wurden – als Versatzstücke einer dem Exotismus huldigenden Kunst – bereits seit Rossinis «L’italiana in Algeri» verspottet, als Verdi sich mit «Il corsaro» (1848) zum zweiten Mal einer Vorlage Lord Byrons widmete. Nach den politisch aufgeladenen «Due Foscari» (1844) geriet die...
Herr Schuen, Sie sind noch jung. Ganz pauschal gefragt: Was würden Sie als Sänger gern erreichen? Welche Ziele haben Sie?
Ich möchte all das singen, was zu meiner Stimme und meiner Person passt. Und zwar so, dass ich mit dem Ergebnis zufrieden sein kann. Eines ist mir jetzt schon klar: Ich werde bestimmt nicht ausschließlich Oper machen. Wenn ich Lieder singe, geht...
Kadmos, der Gründer Thebens, ist als König zurückgetreten. Nachfolger wird sein Enkel, der sinnenfeindliche Asket Pentheus, dem das Volk davonläuft, weil es den Orgien des Dionysos erliegt. Alle Verbote sind vergeblich, selbst Pentheus’ Mutter Agaue folgt den Verlockungen des Rauschgottes. Als Pentheus, im Gewand der Mutter, schließlich selbst den Berg Kytheron...
