Geckentheater
Am Ende holt ihn der eigene Alptraum ein: Baculus liegt in seinem Blut, erschossen wegen eines angeblich gewilderten Rehbocks! Von einem Doppelgänger verfolgt fühlt sich der Schulmeister schon in der Ouvertüre, schlussendlich erliegt er wohl der eigenen Fantasie. Zwischen Anfang und Ende dieser lang ersehnten, seit 43 Jahren ersten Dresdner Neuproduktion des «Wildschütz» war manch Angenehmes zu hören, doch wenig Anregendes zu sehen.
Denn bis auf diese eine Idee gab Regisseur Jens-Daniel Herzog nicht wirklich preis, was er mit dieser hintersinnig-prickelnden Komischen Oper heute erzählen will.
Vermutlich auch deshalb wird in seiner Inszenierung hemmungslos chargiert, kein noch so abgestandener Theater-Gag ausgelassen: Da knallen Türen gegen Köpfe, wird gestolpert, an Hauswände gepinkelt und das für die berühmten 5000 Taler verscherbelte Gretchen von den feilschenden Männern en passant niedergestreckt. Ach ja – es ist und bleibt das Komische, das so schwer zu machen ist! Man vermisst nicht nur ein Gespür für die Ironie und Doppeldeutigkeiten dieses Verwirrspiels der Gefühle, sondern vor allem für das Tempo der Szenen. Ganz abgesehen davon, dass die Pseudo-Laszivität zweier ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Bettina Volksdorf
Parma versteht sich als Verdi-Stadt, wenn nicht gar als Verdi-Stadt par excellence. Dabei hat der Komponist nie dort gelebt. Keine einzige seiner Opern kam dort zur Uraufführung. Gewiss: Verdi wurde in einem Dorf geboren, das zur Provinz Parma gehört. Aber über ein halbes Jahrhundert lang residierte er auf dem Landgut Sant’Agata in der Provinz Piacenza, ökonomisch...
Wenn eine Sopranistin unserer Zeit mit besonderer Emphase als «Mozart-Sängerin» bezeichnet werden kann, dann Dorothea Röschmann. Obwohl sie ein breites Repertoire beherrscht, neben Agathe («Freischütz») auch die Marschallin («Rosenkavalier») oder Elsa («Lohengrin») singt, stehen die großen Sopranpartien Mozarts bis heute im Mittelpunkt ihres Wirkens. Nach einigen...
Es brennt nicht, zumindest nicht auf der Bühne. Dafür flackert es rotgelb auf den Screens der Smartphones, die Hagens Mannen mahnend erheben. Brünnhilde kümmert das nicht, sie hat zu tun, am Schreibtisch sitzend, mit den Rheintöchtern. «Selig grüßt dich dein Weib», dann wird getwittert. Gutmenschen-Sätze über den Zustand und Verfall der Welt, kommentiert von...
