Geben und Nehmen
Es muss nicht an einer germano-zentrischen Haltung liegen, gepaart vielleicht mit gewisser Überheblichkeit. Dass das Liedschaffen französischer Komponisten hierzulande kaum eine Rolle spielt, hat vor allem mit der Sprache zu tun. Mit dem Erfühlen und Erfüllen von Nuancen, mit dem (auch hörenden) Bewusstsein für die Delikatesse von Färbungen, Lautformungen und Rhythmisierungen, die sich in der Musik widerspiegelt. Über 150 Mélodies hat allein Camille Saint-Saëns hinterlassen.
Aufgeführt werden nur wenige, am ehesten dürften die «Mélodies persanes» bekannt sein – von François Le Roux stammt hier eine exzeptionelle Einspielung. Nicht nur auf dem Feld des Musiktheaters, auch in diesem Genre sind die Schatzgräber des Palazzetto Bru Zane aktiv. Ermöglicht haben sie nun eine Art Gesamtschau auf das Liedschaffen von Saint-Saëns – beginnend bei eben jenen persischen Miniaturen bis zu den «Vieilles Chansons» des Todesjahres 1921.
Wer die Interpretationen von Bariton Tassis Christoyannis und Pianist Jeff Cohen hört, begreift: Die an Saint-Saëns gern geübte Kritik des Eklektizismus läuft letztlich ins Leere. Es ist vielmehr ein Spiel mit Volksliedhaftem, überkommenen ...
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