Geben und Nehmen

Tassis Christoyannis und Jeff Cohen sichten Lieder von Camille Saint-Saëns; Janet Perry und Jean Lemaire liefern ein Potpourri von Mozart bis Fauré

Es muss nicht an einer germano-zentrischen Haltung liegen, gepaart vielleicht mit gewisser Überheblichkeit. Dass das Liedschaffen französischer Komponisten hierzulande kaum eine Rolle spielt, hat vor allem mit der Sprache zu tun. Mit dem Erfühlen und Erfüllen von Nuancen, mit dem (auch hörenden) Bewusstsein für die Delikatesse von Färbungen, Lautformungen und Rhythmisierungen, die sich in der Musik widerspiegelt. Über 150 Mélodies hat allein Camille Saint-Saëns hinterlassen.

Aufgeführt werden nur wenige, am ehesten dürften die «Mélodies persanes» bekannt sein – von François Le Roux stammt hier eine exzeptionelle Einspielung. Nicht nur auf dem Feld des Musiktheaters, auch in diesem Genre sind die Schatzgräber des Palazzetto Bru Zane aktiv. Ermöglicht haben sie nun eine Art Gesamtschau auf das Liedschaffen von Saint-Saëns – beginnend bei eben jenen persischen Miniaturen bis zu den «Vieilles Chansons» des Todesjahres 1921.

Wer die Interpretationen von Bariton Tassis Christoyannis und Pianist Jeff Cohen hört, begreift: Die an Saint-Saëns gern geübte Kritik des Eklektizismus läuft letztlich ins Leere. Es ist vielmehr ein Spiel mit Volksliedhaftem, überkommenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 25
von Markus Thiel

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Es gibt drei Arten von Dramaturgen, lautet eine unter Theaterschaffenden kursierende ironische Gewissheit. Erstens den reinen Produktionsdramaturgen; er ist zuständig fürs Denken, schaut dem Regieteam bei den Proben mit Adleraugen über die Schulter, überprüft Schlüssigkeit und Sinnlichkeit der szenischen Ideen. Der zweite Typus kümmert sich vor allem ums...

Sich lösen, sich finden

Hat man es als Vater und Sohn leichter in der Branche als etwa singende Ehepaare – bei denen mancher lästert, da werde doch nur die «Knochenbeilage» mit engagiert?
Christoph Prégardien: Ähnlichkeiten gibt es schon. Anfangs ist man Julian skeptisch begegnet, nach dem Motto «Prégardien? Der nutzt doch nur den Namen aus.» Inzwischen hat sich der Wind ein bisschen...

Auf Entzug

Aus dem Nichts sollte es kommen, das langsame A-Dur-Vorspiel. Gleichsam aus vorzeitlicher Stille. Was die geteilten Streicher in den ersten «Lohengrin»-Takten zu spielen haben, scheint nicht von dieser Welt. Ein irisierendes Klanggespinst entsteht da, ein flirrendes Leuchten, magisch, mysteriös, von unwirklicher Schönheit. Musik, die auf Verführung zielt, uns...