Funkstille
Tschaikowsky selbst vergoss nach eigenem Bekenntnis Tränen, als er Puschkins unglücklich liebende Spielernatur Hermann in den sicheren Untergang begleitete, und seine Erschütterung spiegelt sich in der Musik, die sich durchgehend in einem Bereich zwischen Herzflimmern und Herzrasen bewegt. Da kündigt sich schon der Komponist der «Pathétique» an. Im Ulmer Theater wollte man dem Publikum so kurz vor Weihnachten solche Kost nicht zumuten und präsentierte dieses aufwühlende Seelendrama stattdessen als ein gesungenes Gegenstück zum «Nussknacker»-Ballett.
Zunächst ist der Zuschauer beeindruckt, wie sich das relativ arme Theater hier gleichsam ins Festtagsgewand wirft. Er muss bewundern, wie die Bühnenbildnerin Britta Lammers mit geringen Mitteln und mit Unterstützung der Lichtregie (Marcus Denk) Atmosphäre zaubert: Standuhren, mobile Spiegelschränke, Kronleuchter beschwören im nicht abgeschlossenen Bühnenraum ein märchenhaft verklärtes historisches Ambiente herauf. Die Kostüme von Angela C. Schuett tun ein Übriges, beim Betrachter nostalgische Gefühle aufkommen zu lassen. Schöne heile Opernwelt.
Regisseur Igor Folwill denkt nicht daran, diese Idylle zu zerstören. Seine ...
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Hübsch hier. Die verwinkelte Innenstadt, der langgestreckte Marktplatz, eingerahmt von sanierten Altbauten. Im Rathaus aus dem 16. Jahrhundert der obligatorische Ratskeller. An diesem Adventssonntag sind im ostthüringischen Altenburg einige Buden geöffnet, es riecht nach Bratwurst, aus den Lautsprechern dringt, etwas zu laut, nicht ganz so weihnachtliche...
Schon merkwürdig, was sich da vor der Premiere 2005 abspielte. Protestnoten, Demos, sogar eine Debatte in der Duma löste die Nachricht aus, der Schriftsteller Vladimir Sorokin habe den Text verfasst für die erste Opernauftragsarbeit, die seit 1979 am Bolschoi Theater aus der Taufe gehoben werde. Putin-Anhänger witterten Pornografie auf offener Bühne, forderten...
Musiktheater ist ein feiner Seismograf für die Wandlungen im Umgang mit Emotionen. Wie sehr dies gerade auch für Händels Opern gilt, will dieser anregende Band mit seiner Fokussierung auf weibliche Opernfiguren zeigen, die von damals neuen und deshalb beunruhigenden «vermischten Empfindungen» geprägt sind. Eingelöst wird dieser in Laurenz Lüttekens bündiger...
