Funkstille
Tschaikowsky selbst vergoss nach eigenem Bekenntnis Tränen, als er Puschkins unglücklich liebende Spielernatur Hermann in den sicheren Untergang begleitete, und seine Erschütterung spiegelt sich in der Musik, die sich durchgehend in einem Bereich zwischen Herzflimmern und Herzrasen bewegt. Da kündigt sich schon der Komponist der «Pathétique» an. Im Ulmer Theater wollte man dem Publikum so kurz vor Weihnachten solche Kost nicht zumuten und präsentierte dieses aufwühlende Seelendrama stattdessen als ein gesungenes Gegenstück zum «Nussknacker»-Ballett.
Zunächst ist der Zuschauer beeindruckt, wie sich das relativ arme Theater hier gleichsam ins Festtagsgewand wirft. Er muss bewundern, wie die Bühnenbildnerin Britta Lammers mit geringen Mitteln und mit Unterstützung der Lichtregie (Marcus Denk) Atmosphäre zaubert: Standuhren, mobile Spiegelschränke, Kronleuchter beschwören im nicht abgeschlossenen Bühnenraum ein märchenhaft verklärtes historisches Ambiente herauf. Die Kostüme von Angela C. Schuett tun ein Übriges, beim Betrachter nostalgische Gefühle aufkommen zu lassen. Schöne heile Opernwelt.
Regisseur Igor Folwill denkt nicht daran, diese Idylle zu zerstören. Seine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In der entscheidenden Szene schweigt das Orchester. Die Pariser Abendgesellschaft auf der Bühne wird von einem Pianisten unterhalten, der sich als Nachfolger Chopins versteht und in der Tat etwas Nocturne-artiges auf die Tasten zaubert – langsam, elegisch in H-Dur beginnend, dann vollgriffig virtuos ausholend. Wie sich später herausstellt, soll er ein Spion...
Wenn das so weitergeht, ist irgendwann keine Kuhweide mehr da. Erl expandiert munter: Im fünften Jahr schon lockt der futuristische Flunder-Musentempel neben dem Passionsspielhaus zum Winterfestival. In unmittelbarer Nähe steht das Parkhaus, aus dem es nachts so schön orange leuchtet und auf das sich Mäzen Hans Peter Haselsteiner Wohnungen setzen ließ. Und...
Der durchschnittlich gebildete Opernfreund denkt beim Stichwort Brabant an «Lohengrin» und erinnert sich angesichts der legendären, indes nie heilig gesprochenen Genoveva aus dem gleichnamigen belgisch-niederländischen Herzogtum an Robert Schumanns einzige Oper. Jacques Offenbach widmete der Gemahlin des mittelalterlichen Pfalzgrafen Siegfried gleich drei...
