Folklorefrei
Es ist eine ruppige Romantik, die Laurence Equilbey am Pult des Insula orchestra in der deutschesten Oper des frühen 19. Jahrhunderts aufspürt. Ihre Tempi stürmen und drängen, die Artikulation ist forsch akzentuiert. Und die seinerzeit so kühnen Klangfarben sind in schärfster Deutlichkeit herausgearbeitet. Carl Maria von Weber widerfährt so eine ganz neue Gerechtigkeit, zu der sich selbst ein Nikolaus Harnoncourt nicht mit letzter Konsequenz bekennen wollte.
Denn der Meister der historischen Aufführungspraxis in Barock und Klassik wählte für seine Einspielung – bislang unangefochtene Referenz auf dem Plattenmarkt – noch die Berliner Philharmoniker. Schroffe Kontraste, welche die Modernität der Partitur beglaubigen, stehen bei ihm doch eher gemäßigte Tempi und ein traditionell dunkles Klangbild gegenüber. Equilbey kann nun auf Harnoncourts Erkenntnissen aufbauen, sie geht indes einen entscheidenden Schritt weiter.
Ihr Insula orchestra hat sich auf die Interpretation des romantischen Repertoires auf historischen Instrumenten spezialisiert, was sich nun deutlich auszahlt. Sehnige, in ihrem Vibrato reduzierte Streicher, sprechende Holzbläser und die der Waldesromantik des Werks ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Peter Krause
Man spielt die alten Rollen weiter, gibt die Lügen von einst als Wahrheit aus, lässt die Leichen im Keller schmoren. Das wird schon gut gehen, so lange niemand, der dort nicht ohnehin seit Jahren sein Unwesen als Untoter treibt, dieses Horrorhaus betritt und nachfragt. Doch der parsifaleske reine Tor, Student Arkenholz (Yoonki Baek singt die extrem hohe Tenorpartie...
Für den Tod wurde es eine Hängepartie. Das Schach-Match, im Mai 1976 mit der ersten Krebsdiagnose begonnen, endete erst im April 2020. Sich selbst sah Peter Jonas dabei als Ritter, als spielendes, tricksendes Gegenüber des Sensenmanns. So wie es Ingmar Bergman in «Das siebente Siegel» erzählt. Der Film sei «Symbol meines Lebens», pflegte Jonas zu sagen, immer...
Der «Montag» in Karlheinz Stockhausens siebentägiger Mythenphantasmagorie «Licht» beginnt unter Wasser: Im Foyer des Aufführungsorts werden die Hörer in grünes Licht getaucht, während endlos gedehnte Bassetthornklänge und Wassergeräusche auf sie eindringen. «Grünliche Dämmerung» schreibt auch Richard Wagner für den Unterwasserbeginn seines ebenfalls mythomanen,...
