Flucht nach vorn

Schostakowitsch: Moskau, Tscherjomuschki
Hamburg | Staatsoper | Opera stabile

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Kein Wunder, dass Dmitri Schostakowitsch anno 1959 bei der Moskauer Uraufführung seiner einzigen Operette keinerlei Probleme mit der Zensur in seiner sowjetrussischen Heimat bekam, wie es in der für ihn brandgefährlichen Stalin-Ära noch der Fall gewesen war. «Moskau, Tscherjomuschki» ist Ausfluss der von Chruschtschow eingeleiteten «Tauwetter»-Periode, die eine deutliche innenpolitische Liberalisierung bewirkte. Künstler konnten nun die Alltagsprobleme der kleinen Leute offen thematisieren.

Der einstige «Volksfeind» Schostakowitsch tat dies, zumindest aus heutiger Sicht, mit einem geradezu liebevollen, folkloristischen Blick. So wenig doppelten Boden wie hier gibt es sonst wohl kaum bei diesem Meister der Dialektik, des geschickten Verschleierns von Unaussprechlichem und einer Affirmation, die der Wahrheit im Gewande der Lüge gleicht. Die Partitur scheint mit leichter Hand aufs Papier geworfen.

Westlicher Walzer und Marsch geben sich ein Stelldichein mit dem russischen Idiom patriotischer Kampfesgesänge; die bessere Blaskapelle aus Mitgliedern der Orchesterakademie des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg stößt dazu unter Rupert Burleigh lustvoll schmissig in Posaune, Horn, ...

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Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Peter Krause

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