Fließen lassen
Zum Ausklang der Saison 2018/19 stand an der Opera di Roma Mozarts «Idomeneo» auf dem Spielplan – zum ersten Mal seit 1983. Beworben wurde die Koproduktion mit Madrid, Kopenhagen und Toronto als provokative Deutung im Sinne tagesaktueller Krisen. Robert Carsens Neuinszenierung löst das durchaus ein – wobei die freundliche Aufnahme durch das römische Publikum zeigt, dass Migranten-Tragik auf der Opernbühne längst nicht mehr polarisiert, zumal die Regie 31 reale Flüchtlinge (hauptsächlich aus Syrien) in die Statisterie eingegliedert hatte.
Gelegentlich verbiegt Carsen die Handlung in ihm genehme Richtungen, etwa wenn sich die trojanischen Gefangenen, fürwahr keine Flüchtlinge, auf Kreta in einem Militärregime wiederfinden oder Elettra nach ihrer Rachearie «D’Oreste, d’Ajace» nicht etwa wutentbrannt davonstürmt, sondern gleich Suizid begeht, und zwar mit ebendem Messer, das für den Ritualmord an Idamante bereitliegt. Die Personenführung bleibt oft arg steif. Und Carsen neigt dazu, seine szenische Kreativität auszustellen. Beides schwächt die Glaubwürdigkeit des Finales: Reichlich plötzlich, all die Friedens- und Liebesworte, die Eintracht von Menschen, Göttern und Natur.
Dafür ...
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Carlo Vitali
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