Feurig

Mozarts «Finta giardiniera» unter Emmanuelle Haïm in Lille

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Der junge Mozart: unberechenbar, untrüglich, komisch, tiefgründig. Fast schon wie der spätere, in seinen kompositorischen Kniffen nur noch nicht so ausgereift. Die Buffa «La finta giardiniera» kam 2014 in Lille in einer Inszenierung von David Lescot auf die Bühne: stimmungsvoll, ohne überbordenden Gartenzauber, figurennah, kein bisschen besserwisserisch oder transferwütig. Die Geschichte wird zeitlos unmittelbar erzählt, in Gummistiefeln und historischen Kostümen.

Das weitgehend junge Ensemble mit der beglückenden Erin Morley als verkleideter Gärtnerin an der Spitze besticht durch Homogenität und Ausgewogenheit – und wird getragen vom feurigen, hellwachen, gazellenhaft gewandten Dirigat Emmanuelle Haïms, die ihr Concert d’Astrée zu quicklebendigem Mozart-Spiel animiert (siehe OW 5/2014). Haïm nimmt jeden Takt des gerade 19-Jährigen ernst. Das klingt so vital, so übermütig frisch, dass man diese «Giardiniera»  direkt neben die Einspielung unter René Jacobs einreihen möchte: unberechenbar, untrüglich, komisch, tiefgründig.   

Mozart: La finta giardiniera
Carlo Allemano (Don Anchise/Podesta), Erin Morley (Sandrina), Enea Scala (Comte Belfiore), Marie-Adeline Henry (Arminda), ...

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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Christoph Vratz

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