Farbverliebt
Am Rande des Nervenzusammenbruchs und einen Schritt darüber hinaus – so wohl ließe sich die emotionale Ausgangslage in Cordula Däupers Inszenierung von Mozarts «La finta giardiniera» am besten charakterisieren. Den Auftakt bildet ein Treppensturz: Mit Karacho lässt die Regisseurin ihre Titelheldin aus der Vorgeschichte der Oper direkt im ersten Akt aufprallen.
Bei einem vergangenen Streit mit ihrem eifersüchtigen Verlobten Belfiore ist Violante auf der Schlosstreppe verunglückt; in einem raffinierten Zeitsprung landet sie nun höchst unsanft auf dem Boden des Treppenaufgangs im Hotel «Zur verliebten Gärtnerin», von wo aus die vorgebliche Hotelfloristin im Rollstuhl einen Rachefeldzug gegen ihren Ex-Geliebten startet. Das von Pascal Seibicke entworfene Hotelambiente mit mehrstöckiger Treppengalerie und vielen Zimmertüren bietet reichlich Möglichkeiten, um das boulevardeske Liebesverwirrspiel, in das sich vom Hotelpatron bis zum Zimmermädchen immer mehr Protagonisten verstricken, auf die Spitze zu treiben.
Um mehr Tempo zu gewinnen, sind Dialoge und Rezitative in Mainz ausnahmslos gestrichen, stattdessen führt der Schauspieler Orlando Klaus als Liftboy mit gewitztem Charme durch die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Silvia Adler
Inzest ist auf der Opernbühne keine Seltenheit. Ganz offen wird das Tabuthema Geschwisterliebe in Richard Wagners «Walküre» verhandelt, missbräuchliche Vater-Tochter Begierden rumoren gefährlich auch in Richard Strauss’ «Salome» und bilden so den Urgrund für das vom Todestrieb besessene Begehren der Titelfigur. Wie sich überhaupt dysfunktionale Familienstrukturen...
Man ist es zwar langsam leid, immer wieder die Pandemie bemühen zu müssen. Doch mit den viralen Verwerfungen wird sich der Kulturbetrieb wohl noch lange herumschlagen müssen. Was zunehmend schmerzlich erfahrbar wird, ist allenthalben spürbare Diskontinuität. Ehe sich im November 2020 die Vorhänge auf unbestimmte Zeit schlossen, waren in Österreich die ersten...
«Du hast kein Recht dich zu beklagen. Die Strafe, die dich trifft, ist nur eine Vergeltung. Du hättest das Ende deines Spiels vorausahnen können, hättest du die Geschichten deiner Vorbilder besser studiert. Du wusstest wohl, dass die Gier nach Macht bestraft werden würde. Du darfst dich mutig nennen, denn dein Ende kann dir nicht unbekannt gewesen sein. Wenn du...
