Fantasien eines Autisten
Wie einem Märchenbilderbuch entsprungen spielen nach altrussisch-folkloristischer Manier gewandete lebende Puppen die Geschichte vom Zaren Saltan, der sich unter drei Schwestern eine Braut erwählt. Er verstößt seine Gattin jedoch, weil sie ihm, als er in den Krieg gezogen ist, angeblich statt eines heldenhaften Prinzen ein Monster geboren habe. Dahinter steckt freilich eine ihm per Brief übermittelte Rache-Mär der zu kurz gekommenen Schwestern und der bösen Base Babaricha.
In der Neuinszenierung von Nikolai Rimsky-Korsakows «Märchen vom Zaren Saltan» an der Brüsseler Monnaie-Oper wird die Vorgeschichte, in der die Zarin Militrissa und der Zarewitsch in ein Fass gesperrt und aufs Meer hinausgetrieben werden, in deftigen Bildern geboten.
Der Regisseur hieße nicht Dmitri Tcherniakov, wenn die Handlung platt durchbuchstabiert würde. Das Märchen ist bei ihm in eine ernste, gar beklemmende Rahmenhandlung eingebettet. Das Geschehen spielt sich in der eingehegten Fantasiewelt des von Zwangsvorstellungen geplagten Prinzen Gwidon ab. Mit einer raffinierten Kombination aus realer Aktion von Sängern und Chören und der Projektion animierter, an Cartoons erinnernder naiver Zeichnungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2019
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Josef Oehrlein
Frau Oropesa, Sie haben mit 25 das Lindemann Young Artist Development Program der Metropolitan Opera in New York abgeschlossen. Macht es das Sängerleben leichter oder schwieriger, wenn man gleich an der Met einsteigt?
Es macht es schwierig, weil man sofort schwimmen muss. Man hat keine Zeit, erst mal die Zehen ins Wasser zu strecken. Entweder du bleibst oben oder...
Frau Steier, stellen Sie sich für einen Moment vor, Sie wären Intendantin eines Opernhauses. Wie sähe Ihr Spielplan aus?
LYDIA STEIER: Ganz einfach: In meinem Spielplan würde ich die «klassische» Oper, wie wir sie kennen, mit Projekten verknüpfen, die auf unkonventionelle Art und Weise mit klassischer Musik umgehen. Seit Jahrzehnten präsentieren wir Oper...
Die Geschichte stimmt nachdenklich, wenn nicht traurig. Doch der Titel eines wunderbaren Buches von Mirjam Pressler gibt Anlass zur Hoffnung: «Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen». Etwas in dieser Art dürfte Ralf Waldschmidt empfunden haben, als er die Partitur jenes im Jahr 1900 vollendeten Stücks durchblätterte, das nach seiner späten...
