Es gibt kein Entrinnen

Zweimal Verdi: Angela Denoke tastet sich in Regensburg sublim an «Macbeth» heran, Peter Konwitschny verrätselt in Linz «La forza del destino»

Opernwelt - Logo

Gott ist widerlegt, aber der Teufel nicht», besagt ein nachgelassenes Fragment von Friedrich Nietzsche. So oft auch Gott in Giuseppe Verdis Opern beschworen werden mag: Ihre Figuren erfahren die Welt als kontingent, als Anhäufung böser Zufälle, denen Menschen im Zweifelsfall eher noch zu- als abhelfen. Da kommt der König des Nachts als Gast ins Schloss, und Macbeth nutzt die Gunst des Zufalls, um ihn zu morden und sich an seine Stelle zu setzen. Sicher, angestachelt dazu haben ihn die Hexen, ebenso seine Frau.

Aber wer sind schon die Hexen? Auch Angela Denoke weiß es nicht in ihrer «Macbeth»-Inszenierung für das Theater Regensburg, wie sie überhaupt auf den Ausweis alles Übernatürlichen verzichtet. In der Ausstattung von Timo Dentler und Okarina Peter sind die Hexen entindividualisiert wie alle anderen Figuren: blaue Kappen, lange Militärmäntel. Hinter dem Rücken tragen sie Dolche, doch das werden andere auch tun: zuletzt der scheinbar gute Macduff, der den bösen Macbeth tötet. Und in der Schlussszene bereits den Dolch gezückt hält für Malcolm, dem der Zufall der Geburt den Thron verschafft.

In fast lichtloser Nacht kreist, unter gelegentlichem Blätterfall, eine bühnenhohe Wand, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Den Gott mir nahm

Von den komponierenden Söhnen Johann Sebastian Bachs hat es Johann Christoph Friedrich, der zweitjüngste, nur zu bescheidener Anerkennung gebracht. 1750 trat der gerade 17-Jährige als Cembalist und Kammermusiker in den Dienst des im niedersächsischen Bückeburg residierenden Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe, wurde dort 1759 Konzertmeister und begnügte sich mit...

Traumspiel

Mit nachtwandlerischer Sicherheit ballte Librettist Felice Romani weiland für diese Oper romantische Versatzstücke zu einer brillanten Mixtur. Aus heutiger Sicht indes können die versierte Dramaturgie seiner Dichtung und die lyrische Schönheit mancher Verse weder über das angestaubte Bild von Mann und Frau noch die Rechtfertigung von Standesunterschieden...

Vorschau/Impressum 3/23

Regiekunst

Vor Kurzem erst hat sie mit Donizettis «Anna Bolena» am Opernhaus Zürich einen veritablen Erfolg erzielt. Am Teatro Real in Madrid widmet sich Mariame Clément nun dem weithin unbekannten dramma per musica «Achille in Sciro» des italienischen Komponisten Francesco Corselli. Wir fahren hin

Sängerlust

Sein Ulisse war eine Wucht. Mit dieser heiken Partie in...