Erotik, Metrik, Akrobatik
Sie konnten nur selten miteinander, vor allem aber nicht ohne einander. Seitdem es die Gattung Oper gibt, suchten Komponisten (gerne auch mal verzweifelt) nach Librettisten, die geeignet waren, ihre (also: der Komponisten) Visionen mit Text gleichsam zu «unterfüttern», zu beleben, zu erleuchten. So manches Genie war darunter, man denke nur an den großen Metastasio (der aber «Diener» vieler Herren war), oder an Felice Romani (auch er ließ sich nie allzu lange binden). Die vermutlich erste funktionierende Opern-Ehe führten Mozart und Da Ponte; ihre Trilogie ist Legende.
Doch auch danach kam es vor, dass sich zwei schöpferische Naturen vereinigten zum Wohle des zu schreibenden Werkes. Beispielsweise Giuseppe Verdi und Arrigo Boito oder Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal. Darüber fast in Vergessenheit geraten ist ein anderes Traumpaar der Musikgeschichte: Bohuslav Martinů und Georges Neveux
«Un bacio … un bacio ancora … un altro bacio …»: Wer Verdis «Otello» auch nur einmal gesehen hat, wird die letzten Takte der Oper nicht so einfach vergessen können: Der Titelheld stirbt als Selbstmörder – auf den Lippen die verzweifelte Sehnsucht nach (noch) einem (letzten) Kuss.
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Traumpaare, Seite 64
von Anselm Gerhard
Vor einem Jahr war eben mein Buch über die digitale Revolution und über die Chancen und Risiken für die Kunst im Internet erschienen («World Wide Wunderkammer», Edition Körber). Vorschlag: das Internet nicht dem Unsinnigen und Hassenswerten zu überlassen, sondern es zu nutzen zur Ermöglichung ästhetischer Erfahrung, auch des Musiktheaters, und vielleicht...
Weder das Stück noch sein Schöpfer sind allzu bekannt. Allein deswegen war es eine Großtat des Pariser Théâtre du Châtelet, die Operette Vlan dans loeil von Hervé (der mit bürgerlichem Namen Louis Auguste Florimond Ronger hieß) in einer kecken, fulminant komischen Inszenierung in Paris zu präsentieren. «Pierre-André Weitz’ Regie addiert in eigener Ausstattung...
Ja, manchmal bringt es mich schon um den Schlaf, wenn ich nachts über die Situation der Kunstform Oper nachdenke. Hat die Pandemie problematische Entwicklungen noch zugespitzt? Was hat die Saison 2020/21 gebracht? In Erinnerung bleibt das wilde Glücksgefühl, als nach erstem Lockdown der Vorhang tatsächlich hochging und Musiktheater wieder live zu erleben war....
