Erkel: Bánk Bán

Flensburg

Opernwelt - Logo

Eine Oper mit einer von Liebe und Intrigen bestimmten, schlüssig und mit einem Schuss Kolportage ausgebreiteten Handlung, dazu von einer blühenden Melodik, die ins Ohr geht und Verdis knapp zwei Jahrzehnte früherem «Nabucco» in nichts nachsteht. Merkwürdig, dass sich Ferenc Enkels «Bánk Bán», in Ungarn geradezu kultisch als National­oper verehrt, im angrenzenden deutschsprachigen Raum nie hat durchsetzen können. In Flensburg jedenfalls, wo man das unter Kennern hoch gehandelte Rarissimum jetzt ausgrub, rief es begeisterte Zustimmung hervor.


Was nicht zuletzt an einigen der Solis­ten liegen dürfte, denen der Komponist nicht unbedingt leichte Aufgaben zugemutet hat. Die Partie der Melinda etwa, in der psychologisierenden Diktion der horrend schwierigen Koloraturen einer «Lucia di Lammermoor» durchaus vergleichbar, fand in Antje Bitterlich eine souveräne und anrührende Vertreterin. Daneben Anna Maria Dur als Ränke schmiedende Königin Gertrud mit temperamentvoll eingesetztem Mezzo, Jin-Hak Mok mit klangschönem und wortdeutlichem lyrischen Tenor als deren Bruder Otto und – von András Frigyesis sonst über weite Strecken in dekorativer Blässe verharrender Regie zum mephis­tophelischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 61
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ohrenoper

«Es gibt einen Ort in der Mitte des Erdkreises, zwischen Erde, Meer und Himmelszonen, die Grenzscheide der drei­geteilten Welt, von dort kann man alles, was irgendwo geschieht, sehen, sei es auch noch so weit entfernt, und jede Stimme dringt an das lauschende Ohr. Fama wohnt dort und hat sich an der höchsten Stelle ein Haus gebaut, ihm zahllose Eingänge und tausend...

Stationendrama oder Traumspiel?

Vielleicht ist «La forza del destino» – obgleich nach dem spanischen Drama «Don Álvaro, o la fuerza del sino» von 1835 komponiert – Verdis radikalste Shakespeare-Oper: Einheit von Ort und Zeit sind aufgebrochen wie nie im Werk dieses immer wieder nach neuen Lösungen suchenden Komponisten. Dralle, burleske Massenszenen wechseln mit hohem tragischen Ton; inbrünstiges...

Zum Tristan geboren

Dresden, 12. Oktober 1975: Die Wagner-Fans sind aus dem Häuschen, und die Kritik überschlägt sich in Lobeshymnen. Zu feiern: die Wiedergeburt des längst ausgestorben geglaubten Heldentenors alten Schlages. «Eine regelrechte Entdeckung, die Folgen zeigen wird», heißt es damals im Feuilleton ­einer DDR-Sonntagszeitung über das «Tristan»-Debüt des bulgarischen Sängers...