Enthusiasten auf dem Ha-Ha
Harfenperlen durchsetzen samtenen Streichergrund, während Klarinette und Flöte schwebende Figurationen weben. So klingt der Landsitz Bly in «The Turn of the Screw». Schließlich hebt die Governess an: «How beautiful it is!»
Ja: Wer das Tor zu den Wormsley-Ländereien passiert, tritt in eine andere Welt. Durch bewaldete Hügel windet sich die schmale Straße ins Tal. Wind zerzaust die Buchenwipfel und verweht die heiseren Schreie der Milane. Auf dem Parkplatz im Talgrund hoffen Kinder mit Handwagen auf schwere Picknickkörbe: Pfadfinder, die für eine Islandreise sparen.
Links geht es zum hauseigenen Cricket-Feld, rechts warten Wildpark und See. Das Herrenhaus hält sich vornehm abseits hinter Bäumen. Weiße Zelte für den Pausenschmaus säumen den gemähten Wiesenpfad. Alles strebt zu Garsingtons Opernpavillon: Für Mozarts «Don Giovanni», Offenbachs «Fantasio», Smetanas «Verkaufte Braut». Und «The Turn of the Screw».
Auf Wormsley ist das Festival seit 2011 zu Hause. Seinen Anfang nimmt es 30 Jahre zuvor auf dem Landsitz, dem es seinen Namen verdankt: Garsington Manor liegt eine halbe Autostunde westlich von Wormsley, kurz vor Oxford. Die erste Saison erweist sich erst a posteriori als ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Wiebke Roloff Halsey
Der Prolog fehlt. Keine Debatte darüber, wer die einflussreichste allegorische Figur auf der Bühne ist. Fortuna, die Schicksalsgöttin, und Virtù, Vertreterin von Tugend und Tapferkeit, sind erst gar nicht angereist. Nur Amor ist erschienen, um den Menschen stupende erotische Energien einzuflößen. Allein, das Singen hat auch der Liebesgott anscheinend verlernt....
Es gibt diese Abende, von denen zu erzählen spannender ist als sie selbst. Die neue Münchner «Salome» ist so ein Abend. Im Programmheft steht ein glänzend redigiertes Interview mit dem Regisseur Krzysztof Warlikowski. Überhaupt ist dieses Programmheft – zusammengestellt von den Dramaturgen Miron Hakenbeck und Malte Krasting – ein Muster an Sorgfalt in Text und...
Für die Griechen war es das Paradies auf Erden, noch im Neuen Testament ein Ort des Segens: der Garten Eden. Betrachtet man das Cover des vorliegenden Albums, das dessen Namen im Titel trägt, beschleichen einen Zweifel an der Plausibilität dieses Mythos: Mag die florale Tapete noch die Aura des Naturhaft-Schönen in sich bergen, deutet schon der knorrige Kaktus auf...
