Endspiel einer Lebenslüge
Eine Goldküsten-Residenz, gebaut im tadellosen Schick nicht mehr ganz aktuellen Zeitgeschmacks. Ein Schlafgemach in Crème neben dem kühlen Speisesaal. Ein holzvertäfelter Flur, ein marmoriertes Büro, alles standesgemäß dimensioniert – die schönsten Interieurs sind eben doch in Zürich zu sehen. Ben Baurs Bühne schiebt sich hin und her, der Bildausschnitt wandert von Zimmer zu Zimmer und dann, ein Raunen im Publikum, noch weiter: In der nackten Garage blitzt ein sexy Porsche. Gut zwei Stunden geht es um die wahre Liebe, und hier endlich steht sie.
Zärtlich poliert der Hausherr die Kotflügel, versucht sich gar (vergebens) am Freitod durch Abgase.
Mit einer straffen Spielfassung der Oper «La verità in cimento» bricht das Opernhaus Zürich eine Lanze für Antonio Vivaldi. Straff führt auch Ottavio Dantone das Haus-Barockensemble La Scintilla. Zackig geht es durch das Endspiel einer Lebenslüge: Sultan Mamud hat seine beiden Söhne Zelim und Melindo nach der Geburt vertauscht, den Stammhalter mit dem Bastard, seiner Geliebten Damira zum Gefallen. Als er in vermeintlicher Altersweisheit den Fehler korrigieren möchte, geht alles den Bach runter: Baurs aufgeräumte Bühne – ein Schlachtfeld. Das ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Clemens Prokop
Ein seltsames Schauspiel bietet sich dem Amazonas-Schiffer vor Manaus: Durchaus im gleichen, weiten Bett, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fließen der braune, träge, warme Amazonas und der behändere, dunkelkühle Rio Negro nebeneinander her, bis sie sich nach etwa dreißig Kilometern dann doch zusammentun.
Ob Ermanno Wolf-Ferrari je in der brasilianischen...
Vor vier Jahren widmete sich eine Sektion des 32. Deutschen Romanistentages einem komplexen Thema: «Medienkombination Oper: Romanistik im Dialog mit Medien-, Musik- und Theaterwissenschaftlern». Die acht damals gehaltenen Vorträge liegen nun als Buch vor. Leider wird der dialogwillige Leser schon in der Einführung der beiden Herausgeberinnen Maria Imhof und Anke...
Frau Meier, Sie sind es gewohnt, als «große Sängerin» tituliert zu werden. War dies die unmittelbare Konsequenz Ihres «Übernacht-Erfolgs» als Kundry 1983 in Bayreuth?
Nein, in der eigenen Wahrnehmung ging die Geschichte früher los. Steil nach oben ging es für mich nicht mit Bayreuth, sondern nach meinem Debüt 1976 in Würzburg. Zwei Monate, nachdem ich dort...
