Emotionskino
Die Zauberin ist sauer. Sieht sich verhöhnt. Von der Welt, von den Menschen. Zutiefst gekränkt sind Herz und Verstand, ach was, das ganze Ich. Und exakt so klingt Alcina, wenn sie anhebt zu ihrer Arie «Ah, mio cor, schernito sei!» – von Qualen durchglüht.
Sonya Yoncheva nutzt die sich bietende Gelegenheit von Beginn an: Inbrünstig seufzend, mäandert sie, angetrieben von der unerbittlich insistierenden Academia Montis Regalis unter Alessandro De Marchi, durch die Kanäle ihrer verwundeten Seele, hält inne dort, wo der Weltschmerz wohnt, entblößt ihr Innerstes mit sämtlichen vokalen Finessen, die ihr Sopran bereithält, um schließlich auf dem zentralen Wort «Perché?» in solch gargantueske Traurigkeit auszubrechen, dass sogar die Violinen im Nachspiel schluchzen müssen.
Das ist großes Emotionskino, wie gleichfalls in Almirenas «Lascia ch’ io pianga» und Agrippinas «Pensieri, voi mi tormentate». Dem wirft sich, im raschen Mittelteil, die andere Alcina entgegen, schließlich ist sie, wenngleich leidend, doch eine Königin. Auch diesen würdevollen Furor nimmt man Sonya Yoncheva ab – einmal, weil ihre Stimme in der Mittellage perfekt sitzt und sich von dort so resolut wie ...
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