Einzelkindschicksal
Szenen aus dem Krankenhaus – hat uns damit die «Tagesschau» nicht schon genug angeödet? Lässt sich die Aktualität eines Sujets wirklich belegen, indem man Weißkittel und Patientenbetten auf die Bühne bringt? Es erschließt sich einem nicht, weshalb nun auch die Königstochter Iolanta in eine solche Anstalt gesperrt werden muss. Vielleicht ist es Kritik an der Überversorgung von Privatpatienten; jedenfalls wird das Mädchen stationär erstklassig betreut, will doch ihr Vater, König René, vor der Welt und ihr selbst geheimhalten, dass sie blind ist.
Im Original dient ein paradiesischer Schlossgarten als ihr kommodes Gefängnis. Der ist, umgeben von Eisengittern und ausgestattet mit hypertroph blühenden Rosen, auch in Dessau zu sehen. Von märchenhafter Phantastik keine Spur, tendiert die Ausstattung – wie üblich bei solchen Vorlagen – auch hier in Richtung Kindergarten. Dass dadurch die musikalische Aussage banalisiert wird, scheint niemanden ernsthaft zu kümmern. Selbst wenn ein Darsteller der Lächerlichkeit preisgegeben wird wie Graf Vaudémont in seinem orangefarbenen Astronautenanzug – was soll’s, Hampelmänner sind doch immer lustig anzusehen. Glücklicher handhabt die Regie ein anderes ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Volker Tarnow
62. Jahrgang, Nr 12
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752350
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
REDAKTION
Arno Lücker, Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...
Am ehemaligen Stammhaus seines vor 21 Jahren verstorbenen Lehrmeisters (dessen «Ring»-Deutung er ebendort ablöst) gibt sich Stefan Herheim auf den ersten Blick als gelehriger Schüler. Denn fast gebetsmühlenartig predigte Götz Friedrich seinerzeit den Studierenden, sie mögen doch bitte bei der Konzeption ihrer Inszenierungen unbedingt die drei dramaturgischen Zeiten...
Ein Sturm fegt durchs altehrwürdige Opernhaus von Hannover. Doch nicht einem Shakespeare’schen Naturereignis von Prosperos und Ariels Gnaden gleicht die Ouvertüre von Verdis «Otello». Es ist der (von Philipp Contag-Ladas auf die Rückwand projizierten Bildern noch zusätzlich aufgeladene) Lärm des Kriegs, der sich hier Bahn bricht. Gewitterblitze zucken,...
