Einzelkindschicksal
Szenen aus dem Krankenhaus – hat uns damit die «Tagesschau» nicht schon genug angeödet? Lässt sich die Aktualität eines Sujets wirklich belegen, indem man Weißkittel und Patientenbetten auf die Bühne bringt? Es erschließt sich einem nicht, weshalb nun auch die Königstochter Iolanta in eine solche Anstalt gesperrt werden muss. Vielleicht ist es Kritik an der Überversorgung von Privatpatienten; jedenfalls wird das Mädchen stationär erstklassig betreut, will doch ihr Vater, König René, vor der Welt und ihr selbst geheimhalten, dass sie blind ist.
Im Original dient ein paradiesischer Schlossgarten als ihr kommodes Gefängnis. Der ist, umgeben von Eisengittern und ausgestattet mit hypertroph blühenden Rosen, auch in Dessau zu sehen. Von märchenhafter Phantastik keine Spur, tendiert die Ausstattung – wie üblich bei solchen Vorlagen – auch hier in Richtung Kindergarten. Dass dadurch die musikalische Aussage banalisiert wird, scheint niemanden ernsthaft zu kümmern. Selbst wenn ein Darsteller der Lächerlichkeit preisgegeben wird wie Graf Vaudémont in seinem orangefarbenen Astronautenanzug – was soll’s, Hampelmänner sind doch immer lustig anzusehen. Glücklicher handhabt die Regie ein anderes ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Volker Tarnow
Die Konstellation kommt nicht von ungefähr, sie hat ein Vorbild: ein Paar aus Frau und Mann, verklammert an einem Ort, der Geheimnisse und (vergebliche) Hoffnungen ebenso bereithält wie Offenbarungen. Erkennbar bezieht sich Péter Eötvös in seinem zehnten Musiktheater «Senza Sangue» auf den Einakter «Herzog Blaubarts Burg» seines Landsmannes Béla Bartók. Doch schon...
«Perché il mio canto s’attrista – Warum wird mein Gesang traurig, ich habe ich nie gehört, wie ist er in mich geraten?», singt der Chor im Zentrum von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper – da ist das grausame Schuld- und Sühne-Spektakel schon im vollen Gange. «Ich beweine dieses Haus, dem der Untergang droht», klagt am Beginn der Wachposten auf einem in schwarzer...
Als Opernreformer hat Gluck Musikgeschichte geschrieben. Aber vor dem grundstürzenden «Orfeo» liegt ein langer, zwanzigjähriger Weg – 29 Bühnenwerke, die so gut wie nie aufgeführt werden. Gleich mit seinem Erstling «Artaserse» war er 1741 in Mailand erfolgreich. Es folgten bis 1745 sieben weitere für Italien geschriebene Stücke, meist auf Libretti Pietro...
