Einmal alles mit scharf!
Links, an der «Plaza de la corrupción», leuchten in Grün und Rot die gleichgeschlechtlichen Wiener Ampelpersönchen. Rechts versorgen drei resolute Damen vom Grill die Massen mit geistiger Nahrung, und zwar im extra populären flüssigen Aggregatzustand. Auf dem Steg, der zwischen Publikum und Graben verläuft, gehen inkognito sowohl der Stadtkommandant als auch der vizekönigliche Kammerherr ihrer Spitzeltätigkeit nach und verkaufen – Vorsicht, Austriazismen! – Fleischlaberl, Punschkrapferl und das Krawallblatt «Freie Zensur».
In der Mitte aber, dort wo später die Proszeniumslogen der Staatsoper und dazwischen auch ein fideles Gefängnis auftauchen werden, prangt zunächst das riesige Wahlplakat seiner Exzellenz mit dem Slogan: «Peru darf nicht Österreich werden!» Selbstredend entpuppt sich in Nikolaus Habjans Inszenierung von «La Périchole» genau dieser Schaden als längst und unwiderruflich angerichtet: Lima ist Wien, da fährt die ÖBB (Österreichische Bundesbahn) drüber.
Das Theater an der Wien wagt sich in seiner Ausweichspielstätte im Museumsquartier also an Offenbach und seine Opéra-bouffe – und verzichtet dabei sogar in den Gesangsnummern auf das buchstabengetreue Französisch. ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Walter Weidringer
Das ganze Drama ist im Grunde erzählt, noch bevor viele Worte gefallen sind. Der Schmerz, die Sehnsucht (welche nur diejenigen Menschenkinder wirklich kennen, die wissen, welches Leiden mit ihr einherzugehen vermag), der Dualismus aus Liebestäuschung und -ent täuschung, die tiefsitzende Verzweiflung, das einsickernde Gift der Rache – alles ist bereits im «Prelude»...
Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» ist inzwischen die wohl populärste, meistgespielte Barockoper. Das freche, respektlose Libretto verabschiedet die Sphäre des gestelzten Mythos und landet mit der Sex-and-Crime-Handlung aus dem alten Rom im menschlichen Alltag. Wie das «Dschungelcamp» heute zeigen uns schon Monteverdi und sein Librettist Giovanni...
Ein Märchen ist’s, der Titel verrät es. Aber eines, das wohl nur diejenigen kennen, die nicht nur mit Puschkins großen Poemen «Eugen Onegin», «Pique Dame» und «Poltawa», sondern zudem mit den kleineren Schöpfungen dieses großartigen Schriftstellers vertraut sind. Wladimir Iwanowitsch Belski – jener Literat, der späterhin auch Nikolai Rimski-Korsakows Opern «Die...
