Ein Stück Hoffnung
Die Geschichte ist, nun ja, etwas seltsam: Ein eifersüchtiger Pastor trifft auf einen schwächlichen Nebenbuhler, der vom jähzornigen Schwiegervater getötet wird, die untreue Gattin bittet ihren frisch geschiedenen Ex-Mann um eine Beichte, und am Ende steht das christliche Verzeihen, wovon wiederum der getötete Liebhaber herzlich wenig hat. Schon 1850, während der Entstehungszeit seines «Stiffelio» (auf das beschriebene Libretto von Francesco Maria Piave), musste Giuseppe Verdi im katholischen Italien mit der Zensur kämpfen.
Auch eine Umbenennung der Oper zu «Aroldo» sieben Jahre später und die damit verknüpfte Umbettung des Stoffs in die Zeit der Kreuzzüge brachte dem Werk keinen Erfolg ein. Bis heute zählt «Stiffelio» zu den Schmerzenskindern Verdis.
Die Opéra national du Rhin in Strasbourg hat nun mit einer musikalisch wie szenisch starken Produktion ein Plädoyer für dieses verschmähte Dramma lirico abgeliefert. Schon zu Beginn der tänzerischen Ouvertüre ist in Bruno Ravellas Inszenierung ein Kreuz auf die dunkle Bühne (Hannah Clark) projiziert. Die spartanische Holzkirche hat keinen Ausgang ins Freie (wo ein bewölkter Himmel das kommende Unheil andeutet). Eng ist es in dieser ...
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Opernwelt Dezember 2021
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Georg Rudiger
arte
05.12. – 17:40 Uhr
Concerto per Milano
Es ist eine Institution: Jeden Sommer wird das «Concerto per Milano» auf dem Platz vor der prächtigen Kulisse des Mailänder Doms aufgeführt – bei freiem Eintritt. Die Filarmonica della Scala di Milano unter Chefdirigent Riccardo Chailly spielt Tschaikowskys «Capriccio italien» op. 45 und die erste Suite aus dem Ballett...
Es ist der 19. Januar 2004, der gemeinhin als Datum einer neuen Gruberová-Zeitrechnung gilt. Sicher, da war noch immer das technische Wunderwerkzeug, das sie in der Premiere von Donizettis «Roberto Devereux» vorführte. Die Tonfontänen, die sie bis in die Stratosphäre schoss. Die Klangfäden, silberfein leuchtend, endlos lang gesponnen und doch so reißfest. Überhaupt...
Das Bild hat sich ins Gedächtnis gebrannt: Angela Denoke, die als Katja Kabanowa im verödeten Springbrunnen zusammenbricht, statt in die Wolga zu springen. 1998 war das, Denoke debütierte mit der Titelpartie von Leoš Janáčeks Oper bei den Salzburger Festspielen. Und in Christoph Marthalers Inszenierung war der Springbrunnen der letzte Rest von Natur zwischen noch...
