Ein stetiges Hineinwachsen

Menschliches Maß: Franz Grundheber zum 70. Geburtstag

Es ist gut vier Jahrzehnte her, dass – mit Beginn der Spielzeit 1966/67 – ein junger Bariton die Bühne der Hamburgischen Staatsoper betrat, der aufmerken ließ: mit der schon gefes­tigten Stimme eines Endzwanzigers von bildschönem Timbre, kantabler Qualität und ges­tisch beredter Diktion, dazu mit einem Bühnenausdruck von starker, bisweilen ans Charismatische heranreichender Intensität.

Kurz: ein Versprechen für die Zukunft oder (aus Intendantensicht) ein Pfund, mit dem man wuchern konnte – was Rolf Liebermann und seine Nachfolger im Falle ihres Schützlings Franz Grundheber denn auch ausgiebig taten.
«Liebermann versuchte», so hat Grundheber einmal in einem Interview (OW 2/89) ausgeführt, «junge Sänger an sein Haus zu binden, indem er sie abwechselnd in vielen kleineren, aber auch in größeren Partien einsetzte und sie langsam aufbaute.» So singt Grundheber in den gut zwanzig Jahren seiner Hamburger Ensemblezugehörigkeit an die einhundertfünfzig verschiedenen Rollen, vom flandrischen Deputierten bis zum Jago, hat damit die Gelegenheit, seine Stimme langsam auszutes­ten und wachsen zu lassen, und legt dabei den Grundstock für eine bis heute andauernde Weltkarriere. Wobei er sich immer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2007
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rotkäppchen, Aschenputtel und de erste Liebe

Mit Kinder- und Jugendoper neues ­Publikum für das Musiktheater zu gewinnen, ist manchen Häusern bereits eine eigene Programmschiene wert. In München haben solche Aufführungen noch Seltenheitswert. Doch jetzt versuchten sich sowohl das Gärtnerplatz­theater wie die Staatsoper, aber auch (erneut) das Festival für Neue Musik «ADEvantgarde» auf diesem Gebiet: Eine...

Lärmende Metamorphosen

Der klassische Mythos hat dank seiner metaphorischen Kraft bis in unsere Zeit überlebt. Mehr noch: Er berührt das Wesen der Kunst an sich. Erstaunlich, dass nur wenige australische Komponisten sich durch die mythische Überlieferung – sei es des alten Griechenlands oder der Aborigines – haben inspirieren lassen. Schon aus diesem Grund ist Richard Mills’ neue Oper...

Surreale Reise

Das Autorenkollektiv Soeren Voima grenzt sich vom «Theater der großen Texte» ebenso ab wie vom kritischen Theater mit seinem «leer laufenden Protestier­ges­tus», der «die soziale Realität nur klischeehaft wiedergibt». Der Stoff des Stückes «Herr Ritter von der traurigen Gestalt», Anfang 2006 am Staatstheater Stuttgart uraufgeführt, ist mit Bedacht gewählt....