Editorial der Ausgabe Juli 2011
Überraschend kam die Nachricht nicht: In Prag werden Nationaltheater und Staatsoper zwangsvereint. Ein Desaster? Das hängt davon ab, was man jetzt aus der Situation macht. Seit Längerem war klar, dass es nicht weitergehen konnte wie bisher. In kurzen Abständen wechselten die Intendanten der Staatsoper; im Haus saßen zu 80 Prozent Touristen, mit der Auslastung konnte niemand zufrieden sein. Nach der Finanzkrise 2008/09 waren dort keine Premieren mehr möglich.
Jetzt hat der tschechische Kulturminister Jiri Besser den Chef des Nationaltheaters damit beauftragt, beide Häuser bis 2012 zusammenzulegen, wobei Chöre und Orchester erhalten werden sollen.
Ondrej Cerny hat sich um diese Aufgabe nicht gerissen. Er weiß, dass es vor allem mentale Barrieren sind, die er aus dem Weg räumen muss. Das Nationaltheater thront an der Moldau, eröffnet mit Smetanas «Libussa», ganz Bürgerstolz des tschechischen Teils der Bevölkerung. Es war Gründerzeit. Das einstige Deutsche Theater, aus dem die heutige Staatsoper hervorging, entstand fast gleichzeitig an einem Prachtboulevard nördlich des Wenzelsplatzes und diente dem anderen Teil der Bevölkerung als nicht minder prächtiger Repräsentationsort – als ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Stephan Mösch, Albrecht Thiemann
Ein Stubenmädchen sei mit einem Schreikrampf aus dem Raum gelaufen, nachdem es des Hausherrn ansichtig wurde, liest man. Unwillkürlich denkt man an Vorfälle jüngst in
einem New Yorker Hotel. Doch das Geschehnis, von dem ein humorvoller Chronist berichtet, ereignete sich in den 1920er Jahren in Glyndebournes legendärem «Organ Room» – während der Aufführung der...
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