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Dass die Kunst nach dem Gelde geht, war schon zu Lessings Zeiten gängige Praxis. Schon Ende des 18. Jahrhunderts war die Suche nach pekuniären Quellen, sprich: der materiellen Basis jedweder literarischer, musikalischer oder dramatischer Äußerung per se nichts Verwerfliches. Das gilt in besonderem Maße für die Oper, die kostspieligste aller schönen Künste. Stand zunächst die höfische Gesellschaft für den Betrieb gerade, spielten später bürgerliche Gönner bei der Vergabe der notwendigen Mittel die erste Geige.

Schließlich ging der Unterhalt auf den Staat über – jedenfalls in Europa: Qua steuerfinanzierter Subventionen stellte nun die Allgemeinheit Pflege und Erweiterung des Repertoires von Monteverdi bis Messiaen sicher. So weit die Geschichte.
Seit die öffentliche Hand wegen chronisch leerer Kassen den Häusern lieber nimmt als gibt, hat vor allem ein neuer Spendertyp Konjunktur: der private Sponsor. Industrie, Banken oder wohlhabende Individuen, so die Hoffnung, würden die Löcher stopfen, die beamtete Sparkommissare fortwährend in die Etats reißen. Solange die Geschäfte boomten, hatte dieses Kalkül durchaus plausiblen Charme – und Akteure, die die Gunst der Stunde wie die Macht ...

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Opernwelt Juli 2005
Rubrik: editorial, Seite 1
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