editorial
Dass die Kunst nach dem Gelde geht, war schon zu Lessings Zeiten gängige Praxis. Schon Ende des 18. Jahrhunderts war die Suche nach pekuniären Quellen, sprich: der materiellen Basis jedweder literarischer, musikalischer oder dramatischer Äußerung per se nichts Verwerfliches. Das gilt in besonderem Maße für die Oper, die kostspieligste aller schönen Künste. Stand zunächst die höfische Gesellschaft für den Betrieb gerade, spielten später bürgerliche Gönner bei der Vergabe der notwendigen Mittel die erste Geige.
Schließlich ging der Unterhalt auf den Staat über – jedenfalls in Europa: Qua steuerfinanzierter Subventionen stellte nun die Allgemeinheit Pflege und Erweiterung des Repertoires von Monteverdi bis Messiaen sicher. So weit die Geschichte.
Seit die öffentliche Hand wegen chronisch leerer Kassen den Häusern lieber nimmt als gibt, hat vor allem ein neuer Spendertyp Konjunktur: der private Sponsor. Industrie, Banken oder wohlhabende Individuen, so die Hoffnung, würden die Löcher stopfen, die beamtete Sparkommissare fortwährend in die Etats reißen. Solange die Geschäfte boomten, hatte dieses Kalkül durchaus plausiblen Charme – und Akteure, die die Gunst der Stunde wie die Macht ...
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Sitz!», herrscht uns die junge Frau an, und: «Platz!». Beinahe geben wir Pfötchen. Der Imperativ freilich ist lautlos, ein aufgedruckter Slogan auf ihrem T-Shirt als Platzanweiserin bei den diesjährigen Wiener Festwochen. Ein witziger Einfall, scheint’s, wie der auf Plakaten erscheinende Cartoon mit dem scheckigen Hund, dem ein junger Mann mit gelber Krawatte sanft...
Man wüsste es ja wirklich gern, was den Zauber der Musik ausmacht, von dem alle sprechen. Fredrik Zeller auch, sagt er zumindest. Magie und Musik will er kombinieren und hat darum ein «Musiktheater» geschrieben – wie sich in letzter Zeit die neuen Werke für die Opernbühne gern nennen –, das den schönen Titel «Zaubern» trägt. Es wurde als Auftragskomposition der...
Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...
