Durchgestylt

Das CD-Debüt der russischen Sopranistin Aida Garifullina

Nicht lange her, da hat Moritz Eggert für ein Online-Klassik-Magazin ein Interview mit dem personifizierten Publikumsgeschmack geführt. Fiktiv, aber erschütternd wahr: Gefragt, wie Plattencover aussehen sollen, sagt Herr Publikumsgeschmack: «Es muss hölle gephotoshoppt sein, sonst schaue ich das gar nicht an … Die Lippen müssen rot geschminkt sein, egal ob Mann oder Frau. Und hübsch müssen sie sein, sonst kaufe ich das nicht. Wenn ich mit der Person auf dem Cover nicht sofort Sex haben möchte, funktioniert das mit der klassischen Musik nicht für mich.

» Jetzt ist bei Decca eine Solo-CD herausgekommen, als wollte das Label den Beweis zur Eggert-Bizarrerie liefern: Aida Garifullina – so schlicht ist das Recital nach der im September 1987 in der russischen Republik Tatarstan geborenen Protagonistin betitelt. Das Beiheft enthält sieben (sic!) nicht unbedingt sachlich zu nennende Fotos der Sopranistin, keines des Dirigenten Cornelius Meister, der mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien für die – sehr subtil und klangsatt ausfallende – Begleitung engagiert wurde. Kurz: Offenbar sucht das Haus Universal nach einer Netrebko-Nachfolgerin in spe.

Aida Garifullina, die 2013 den ersten ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 35
von Götz Thieme