Durch ein Meer an Tränen
Unter dem etwas kryptischen Titel «Maria Mater Meretrix» – frei verdeutscht «Heilige, Mutter, Hure» – legt die Sopranistin Anna Prohaska ihr jüngstes Konzeptalbum beim Label Alpha Classics vor. Diesmal hat sich die singende Extremistin mit einer ebenso radikal kompromisslosen Kollegin, der Geigerin Patricia Kopatchinskaja, verbündet.
Die beiden absolvieren, unterstützt von der Camerata Bern, in einem provokanten und doch gänzlich unideologischen Programm-Mix einen Ritt durch fast tausend Jahre Musik -geschichte, von der mittelalterlichen Hildegard von Bingen bis zum ame -rikanischen Minimalisten George Crumb. Stets geht es dabei um das widersprüchliche Bild von der Frau als Heilige und Hure, wie es die christliche Kultur mit Maria und Maria Magdalena, den beiden bei der Kreuzigung anwesenden Frauen, auch in der Kunst bis heute meist verklärt und nur selten kritisch beleuchtet hat.
Entsprechend unkonventionell, ja krass ist das musikalische Spektrum und ebenfalls der interpretatorische Zugriff. Zarteste Klänge wie in Gustav Holsts archaisierendem Lied «Jesu Sweet» oder in Lili Boulangers auf dem Sterbelager ihrer Schwester Nadia in die Feder diktierten «Pie Jesu» treffen auf ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 52
von Uwe Schweikert
Frau Gens, darf ich Ihnen eine sehr persönliche Frage stellen?
Sie dürfen!
Wie ist Ihr Verhältnis zu Gott?
Ich bin katholisch, daher habe ich eine natürliche Verbindung zu dem Herrn «dort oben». Ich wurde im baptistischen Glauben erzogen und auch so getauft, was sehr speziell ist, bin aber in meinem Verhältnis zur Religion ganz «normal». Da ich annehme, dass...
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