Drei Jahre Aufschwung
Will man die künstlerische Entwicklung und Leistung der Kölner Oper während der letzten drei Spielzeiten einschätzen, sollte man sich zunächst noch einmal die Ausgangslage, also ihren Zustand zu Beginn der Saison 2009/10 vergegenwärtigen: ein nach jahrzehntelanger Vernachlässigung baufälliges Haus, ein Programm ohne Profil, ein von grauem Mittelmaß vergraultes Publikum. Dem neuen Intendanten Uwe Eric Laufenberg blieb in dem 1957 eingeweihten Ripahn-Bau am Offenbachplatz lediglich eine Spielzeit, um das Ruder herumzureißen, dann sollte die überfällige Generalsanierung beginnen.
Das bedeutete: (mindestens) drei Jahre Spielbetrieb in Ausweichquartieren und Provisorien bei ständiger Gefahr, unter solchen Bedingungen große Teile des (Stamm-)Publikums zu verlieren. Eine mehr als heikle Herausforderung.
Doch schon mit seiner ersten Inszenierung, Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg», setzte Laufenberg ein Zeichen. Er ließ – vom Spätmittelalter über den Vormärz, die Nazi-Herrschaft und die Fünfzigerjahre bis heute – den «langen Weg Deutschlands zur Demokratie» Revue passieren und sparte dabei nicht mit Anspielungen auf die Kölner Lokalgeschichte. Die Botschaft war klar: Oper fällt nur ...
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Opernwelt Jahrbuch 2012
Rubrik: Opernhaus und Ärgernis 2012, Seite 40
von Ingo Dorfmüller
Was heut gehet müde unter,
Hebt sich morgen neu geboren.
Manches geht in Nacht verloren –
Hüte dich, sei wach und munter.
Diese Verse aus Eichendorffs «Zwielicht», von Robert Schumann im «Liederkreis» op. 39 vertont, könnten auch die Problematik der alternden Sängerstimme beschreiben. Dietrich Fischer-Dieskau hat den Zyklus nach Gedichten von Eichendorff 1985...
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Am 3. März 2009 stürzte das Historische Archiv der Stadt Köln ein. Eine vermeidbare Katastrophe, die zwei Menschen das Leben, den Oberbürgermeister (indirekt) das Amt und die Stadt unersetzliche Zeugnisse ihres kulturellen Gedächtnisses kostete. Die Ursache des Desasters war schnell ermittelt: Pfusch am umstrittenen U-Bahn-Bau – einem Prestigeprojekt,...
Manfred Trojahn ist auf dem Sprung in die Bretagne, mit Zwischenstopp in Paris, wo er eine Wohnung hat. Er empfängt im großzügigen Salon. Seine Komponierklause ist gleich nebenan, und er versteht sie keineswegs als geweihten Ort oder Sperrgebiet für Neugierige. Es ist einfach bequemer so. Er wirkt auch nicht wie ein Asket, der sich der eisernen Disziplin eines...
