Divendrama im Akkord

Opera Rara bringt die erste Studioaufnahme von Donizettis «Parisina» heraus

Opernwelt - Logo

Selbst angesichts der Akkordbedingungen, unter denen Italiens Opernkomponisten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts produzieren mussten, hatte Donizetti für seine «Parisina» geradezu abenteuerlich wenig Zeit zur Verfügung. Weil Felice Romani, der gefragteste Librettist der Epoche, schon mit anderen Aufträgen (unter anderem «Beatrice di Tenda» für Bellini) hoffnungslos überlastet war, blieben von der ersten Teillieferung des Librettos bis zur Premiere am 17. März 1833 nicht einmal zwei Monate.
Dem Ergebnis merkt man das nicht an.

Zwar ist die Orchesterbehandlung in «Parisina» weitgehend konventionell und das Bühnenmittelalter kaum mehr als eine Rechtfertigung der Horrorstory, doch die schnörkellose Entwicklung dieser zeittypischen Dreiecksgeschichte bringt die Stärke Donizettis nur noch besser zur Geltung: die Klarheit und Präzision, mit der er die Gemütszustände seiner Charaktere oft mit einfachsten Mitteln zeichnet. In dieser Hinsicht gehört vor allem die Titelpartie zu den anspruchs-, aber auch wirkungsvollsten Donizetti-Rollen: Neben ihrer großen Showdown-Szene «Ugo è spento», die quasi den gesamten Schlussakt umfasst, darf diese erzromantische Heldin im zweiten Akt in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Medien | CDs, Seite 31
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Frischer Wind aus Moskau

Das Moskauer Bolschoi Theater gilt westlichen Besuchern als Opernmuseum schlechthin, und es hat sich bis vor Kurzem auch selbst so definiert. Ein schönes Beispiel bietet die Inszenierung des «Eugen Onegin» von 1944, die mehr als sechs Jahrzehnte auf dem Spielplan des Hauses stand und im Jahr 2000 von dem unlängst verstorbenen Regisseur Boris Pokrovsky noch einmal...

Todesvogel wider Willen

Giovanni Simone Mayrs 1813 in Neapel uraufgeführte Opera seria «Medea in Corinto» zeigt nicht nur eine rächende Kindsmörderin, das Stück kehrt auch die zarten Seiten der Figur hervor. Regisseur David
Alden übersetzt in St. Gallen ihre reichen Facetten in starke Bilder. Im Finale des ersten Akts ist Medea als schwarzer Todesvogel verkleidet, setzt eine Krähe auf den...

Die Virtuosin aus Kansas

Wow! Joyce DiDonato als Vamp auf dem Umschlag ihres Rossini-Albums, in einer luftigen eierschalenfarbigen Kostümkreation, die Hüften weich umschmeichelnd, mit einem inspirierenden Dekolleté. Das Pin-Up zur Verkaufsförderung ist ja heute en vogue. Freilich, die amerikanische Mezzosopranistin macht keine jener Karrieren, bei denen das Auge das Ohr korrumpiert,...