«Die Welt ist größer, als wir denken»
Herr Wirth, Sie sind nicht nur als Komponist, sondern auch als Pianist ein erfahrener Praktiker der Neuen Musik. «Girl with a Pearl Earring» ist Ihre erste Oper. Wie kam es dazu?
Ich wollte schon immer eine Oper schreiben. Schon als Kind habe ich obsessiv Werke wie «Salome», «Elektra» und «Jenůfa» gehört.. Der wesentliche Impuls kam dann von außen. Daraufhin habe ich fieberhaft nach einem Stoff gesucht und mich während dieser Suche wieder an den Roman «The Girl with a Pearl Earring» von Tracy Chevalier erinnert, den ich vor 20 Jahren gelesen hatte.
Vor allem die Eröffnungsszene, in der Griet das Gemüse nach dem Farbkreis ordnet, stand mir noch deutlich vor Augen. Das ist überaus musikalisch gedacht, und da wusste ich: «Das ist genau der richtige Stoff für mich.» Dann ging das Tauziehen um die Rechte los; die Autorin war dabei sehr hilfreich und offen. Der Verlag war skeptischer und stellte sich, wohl aus kommerziellen Gründen, eher ein Musical vor. Aber Tracy Chevalier war Feuer und Flamme für die Idee, eine neue, anspruchsvolle Oper zu machen; sie war es auch, die Philipp Littell als Librettisten vorschlug, der sich als Glücksfall erwies.
Wie lange haben Sie an der Oper ...
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Opernwelt Jahrbuch 2022
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 44
von Bernd Künzig
Frau Mielitz, Sie haben Ruth Berghaus, deren Inszenierung von Rossinis «Il barbiere di Siviglia» von 1967 nach wie vor auf dem Spielplan der Berliner Staatsoper steht, noch gekannt. Was haben Sie von dieser Frau gelernt oder auch nicht gelernt?
Ich habe es immer als großes Privileg empfunden, schon während meines Studiums Ruth Berghaus, Harry Kupfer, Joachim Herz ,...
Die Musik, so hat es, überaus sinnfällig, Claude Debussy einmal notiert, sei für das «nicht Auszudrückende» geschaffen, also im Kern für das, was man mit Worten kaum oder gar nicht mehr sagen könne. Diese Sentenz war dem Moralphilosophen und Musikologen Vladimir Jankélévitch ein tieferes und ausgiebigeres Nachdenken wert, mit dem Ergebnis, dass er ein Buch schrieb,...
Seltsam, dieser Beginn. Vertraut man leichtgläubig und naiv auf die drei vorgezeichneten Kreuze und liest man den Text, käme als Tonart eigentlich nur A-Dur in Frage – und ein optimistischer Gestus. «Im wunderschönen Monat Mai», das klingt nach ungehemmter, frühlingshafter Vorfreude. Doch schon die Spiel- und Singanweisung «Langsam, zart» deutet vorsichtig an, dass...
