Die Regeln des Spielmanns

Plauen/Zwickau, Schillings: Der Pfeifertag

Das Etikett des Wagner-Epigonen heftete ihm bereits die zeitgenössische Kritik ans Revers. Und ganz unlieb war Max von Schillings (1868-1933) diese Bezeichnung wohl nicht, verstand er sich selbst doch als ernsthaften Nachahmer – wenn nicht Nachfolger – des Bayreuther Hügelherrn. In seiner zweiten, 1899 uraufgeführten Oper «Der Pfeifertag», einem «Spielmannsscherz in drei Aufzügen» (und mit etlichen Längen), ist von Wagner jedoch nicht allzu viel zu spüren.

Schillings verwendet zwar Leitmotive, allerdings in sehr reduzierter Form, zuweilen sind es nur ein paar wiederkehrende Takte, die eher auf die Erzeugung von Stimmungen denn auf die Charakterisierung oder Wiedererkennbarkeit von ­Figuren abheben. Ein wirklicher Personalstil ist dem «Pfeifertag» nicht abzulauschen, große, teils zähflüssige Symphonik wech­selt mit schönen, spätromantisch angelegten Kantilenen. Durchaus effektvoll ist der Einsatz der heute fast nie mehr zu hörenden Violotta, einer Tenor-Geige, die optisch einem kleinen Cello ähnelt.
Inhaltlich orientiert sich die Oper an den «Meistersingern», inklusive der szenisch-musikalischen Sängerschlacht auf einer festlichen Wiese. Im Zentrum steht Ruhmland, der vom reichen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Jörn Florian Fuchs

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ein Zugvogel des 20. Jahrhunderts

Die Sensation war perfekt: «Ostberliner Opernstar geflüchtet», titelte am 11. Januar 1962 die «Nacht­depesche» in großer Aufmachung und berichtete von dem gelungenen Versuch der damals auch schon im Westen bekannten tschechischen Mez­zosopranis­tin Sona Cervena, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben. Durch den Mauerbau – sein Beginn am 13. August 1961 jährt sich...

Wahrheit des Lebens

Nach dem großen Erfolg der Uraufführung von Axel Nowitz’ «Bestmannoper» (siehe OW 6/2006) machte das Theater Osnabrück mit Janáceks «Jenufa» ein zweites Mal mit Nachdruck darauf aufmerksam, welcher Stellenwert dem Musiktheater an diesem Haus unter der neuen Intendanz zukommt. Gegeben wurde die von allen Retuschen späterer Bearbeiter befreite Brünner...

Bolschoi & Co. entdecken Mozart

Mozart-Opern spielten in Moskau lange Zeit überhaupt keine Rolle. Erst mit dem aktuellen Mozart-Jahr scheint dieser weiße Fleck allmählich zu verschwinden. So gibt es gleich zwei verschiedene Deutungen der «Zauberflöte» zu besichtigen. Das Bolschoi Theater zeigt eine In­szenierung von Graham Vick. Er präsentiert eine amüsante, stilvolle und lebendige Deutung voller...