Die Furien sind da
Die Terroristin trägt Prada. Schulterfrei. Lang, in eleganten Wellen, fließt die glutrote Seide an Medeas Körper herab, schmückt sie mit majestätischer Aura. Doch wie anders ist das Empfinden der gottgleichen Zauberin. Diese Frau, in deren Leben seit jeher die großen, gemischten Gefühle dominierten, ist nun durchglüht von heiligem Zorn. Zorn auf die Welt, auf die Liebenden, auf sich selbst. Nur noch eines will das schöne Biest, die Handgranate in ihrer Linken lässt daran wenig Zweifel: totale (Selbst-)Zerstörung.
Georg Friedrich Händel hat der heimlichen Hauptfigur seines «Teseo» hierzu eine Da capo-Arie in die Kehle komponiert, die ungebärdiger, widersprüchlicher kaum sein könnte: Jene oboengerahmte Adagio-Klage, mit der Medea im ersten Akt als bemitleidenswertes Wesen eingeführt wurde, kontrastiert mit einer von Sechszehntelketten begleiteten Raserei; der koloraturfreie, nicht minder gehetzte Mittelteil entfaltet Medeas Vision von der zu Tode gefolterten Kontrahentin. Soll der Tod kommen, sie ist nicht allein mit ihm: «Morirò, ma vendicata.»
Nicht erst in diesem finale furioso ist Gaëlle Arquez das Zentrum einer Aufführung, die sich – nach etwas behäbigem Beginn – tiefer und ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Wie begehrt das Recht der ersten Nacht ist, wissen Opernfreunde nicht nur durch Mozarts «Hochzeit des Figaro». Auch unter Intendanten, Dramaturgen und Werbemenschen ist das Prädikat Ur- oder Erstaufführung sehr gefragt. Ihnen allen kann geholfen werden, nicht nur, aber besonders von Jacques Offenbach. Im Durcheinander seiner Hinterlassenschaft finden sich immer...
Uraufführung
Seit beinahe 15 Jahren sind sie ein Gespann: der Komponist Johannes Maria Staud und der Dichter Durs Grünbein. Für zwei Opern und ein Monodram haben sie ihre kreativen Köpfe zusammengesteckt. Die Wiener Staatsoper zeigt jetzt ihr neues Werk: das Musiktheater «Die Weiden» nach der gleichnamigen fantastischen Geschichte des britischen Autors Algernon...
Ein «begnadeter Zauderer» sei er, ein «Moralist der Kunst», ein «Grübler und Skeptiker, der alles, was er singt, hinterfragt – auch und vor allem sich selbst und seinen Gesang». Mit diesen Worten hat der Germanist Dieter Borchmeyer vor neun Jahren in einer Laudatio die Persönlichkeit Christian Gerhahers umrissen (siehe OW-Jahrbuch 2010). In der Tat: Es gibt...
