Die Ecke, nicht der große Kreis
Utopie Nummer 1: Ich träume von einer Zukunft, in der das System internationaler Koproduktionen, dieser ganze internationale Opern-Supermarkt zusammenbricht. Dann werden wir uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist: statt Allgemeingültigem etwas ganz Spezielles zu erschaffen, mit speziell ausgewählten Künstlern an einem speziell ausgewählten Ort für ein ganz spezielles Publikum.
Wir sollten den Ensemblegedanken zu schätzen wissen, ebenso wie den Schöpfungsakt einer Neuinszenierung, und das nicht allein von der Konzeption bis zur Premiere, sondern für die gesamte Lebensdauer einer Produktion. […] Unser Ziel sollte das Lokale sein, nicht das Globale. Die Ecke, nicht der große Kreis. Das eigene Haus, nicht die Straße.
Utopie Nummer 2: Ich träume von einer Zukunft, in der ein internationales, von den Vereinten Nationen unterstütztes Verbot für das Wort «Regietheater» verhängt wird. Dann werden wir uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist: etwas gemeinsam zu erschaffen.
Die Kraft des Dialogs, der Zusammenarbeit, der grundlegenden Team-Arbeit zu schätzen. Sich darauf zu besinnen, dass die beste Arbeit in einem Opernhaus nicht der Erfolg einer einzelnen Person oder eines Modells ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gegen Ende seiner Dienstzeit wurde Ioan Holender gefragt: «Sie sind in Österreich bekannter als die meisten Regierungsmitglieder – liegt das an der Position des Staatsoperndirektors, oder liegt es an Ihrer Persönlichkeit?» Seine Antwort: «Es liegt an den Regierungsmitgliedern». Natürlich war das kokett. Aber die Fragestellung ist keineswegs abwegig, denn der...
Es war viel Arbeit, aber auch ein großes Vergnügen: Als Vorbereitung für das Jubiläumsfest und für dieses Jahrbuch haben wir alle Hefte der «Opernwelt» aus fünfzig Jahrgängen durchgesehen. Manchmal mit einer gewissen Scheu: Wie hat die Redaktion von damals auf die gesellschaftlichen Umwälzungen von 1968 reagiert? Hatte «Opernwelt» eine gute Nase für wirklich...
«Die Kunst blüht, ist an der Herrschaft, streckt ihr rosenumwundenes Zepter über die Stadt hin und lächelt.» Ein Paradies. Und exakt 108 Jahre her. Es war Thomas Mann in der Novelle «Gladius Dei», der damals so von der Isarstadt schwärmte. Sein Fazit: «München leuchtete», was zu einer fast gleichnamigen kommunalen Medaille, zu «München leuchtet» führte, mit der die...
