Deutschstunde

Die Österreichische Erstaufführung von Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» am Tiroler Landestheater Innsbruck gerät in der (zu)packenden Inszenierung von Eva-Maria Höckmayr zu einem Triumph für Marie Smolka in der Titelpartie

Opernwelt - Logo

Man liest es und staunt. «Österreichische Erstaufführung». 90 Jahre hat es gedauert, bis man in jenem Land, das sich die Nazis 1938 per «Anschluss» einverleibten und aus dessen Reihen immerhin jener Dämon stammte, der für den Tod von mehr als 60 Millionen Menschen verantwortlich zeichnet, auf die Idee kam, ein Musiktheater zu programmieren, das zwei Jahre nach der Machtergreifung Hitlers so eindrücklich wie parabelhaft vor dem warnte, was da kommen würde, in «guter» alter deutscher Tradition.

Ein Werk, das man in keiner Sekunde genießen kann, weil es sich einer wie auch immer gearteten «Schönheit» verweigert, ja nicht einmal eine echte Geschichte erzählt. «Des Simplicius Simplicissimus Jugend» von Karl Amadeus Hartmann, kaum zufällig zunächst als Rundfunkoper ans Licht der Welt gedrungen, ist weit mehr imaginäres Theater und Hör-Lehr-Stück aus dem Geiste des Epischen Theater als eine Oper im herkömmlichen (dramatisch unterhaltenden) Sinne.

Interessant daran ist vor allem der Untertitel: «Bilder einer Entwicklung aus dem deutschen Schicksal», nennt der Komponist seinen «Simplicius». Darin steckt Vages, aber auch Bestimmtes: Da will jemand warnen, davor, dass sich Dinge wiederholen. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Eine andere Welt

Woher kommt das Essen? Aus dem Kühlschrank. Für den wohlstandsverwöhnten Westeuropäer stimmt das in den meisten Fällen. Doch auch, wenn jeder weiß, was hinter dieser Verfügbarkeit steckt, löst schon das Wort «Nahrungsmittelketten» bei vielen Bewohnern der «schönen, neuen» Welt ein latent schlechtes Gewissen aus. Denn die Verfügbarkeit hat einen Preis. Und der...

Zeit deines Lebens

Eine jede Zeit hat ihre Kulturkämpfe auszutragen, leider nicht immer zum Vorteil für die Beteiligten. Einer davon spielt sich gegenwärtig zwischen den Geschlechtern ab (nehmen wir einmal an, es gibt tatsächlich zwei – mit Abweichungen). Unsere dauererregte Öffentlichkeit führt es uns vor: Kein Tag vergeht, an dem nicht von «toxischer Männlichkeit» die Rede geht,...

Verb(r)annt

Die Hoffnung stirbt nie. Selbst im Angesicht des nahenden Todes nicht. Hören kann man es in Leonoras Doppel-Arie zu Beginn des siebten Bildes von Verdis «Il trovatore». Schwebt das Unheil im schwermütigen f-moll-Adagio «D’amor sull’ali rosee» (Auf den rosigen Flügeln der Liebe) noch wie ein Damoklesschwert über der schicksalsträchtigen Beziehung der jungen Frau zu...