Der menschliche Makel
È sogno? O realtà? Ist’s Traum? Oder Wirklichkeit? Die Frage, die sich der vermeintlich gehörnte Ford stellt, nachdem Sir John Falstaff dem inkognito ins Wirtshaus hereingeschneiten Gast seine sehr persönliche Sicht der Dinge dargelegt hat, ist durchaus berechtigt. Denn der bedauernswerte «Fontana», wie sich Ford wenig einfallsreich nennt, muss annehmen, seine Gattin Alice habe die schlimme Absicht, ihn zu betrügen. Und diese Annahme bringt ihn so sehr in Rage, dass er sich stante pede in ein rasendes Rumpelstilzchen verwandelt.
Was wiederum Simon Keenlyside auf der Bühne des Großen Festspielhauses zu einer sängerisch wie darstellerisch virtuosen Tour de force über die Auswüchse und Abgründe einer der sieben Todsünden animiert, einem furiosen, zunächst tonartenlosen, dann auf karstiges Es-Dur-Gebiet (mit Molleintrübung) stürzenden Allegro agitato, das die Enthemmtheit der kleinbürgerlichen Seele mit den schönsten musikalischen Mitteln zum (ekstatischen) Ausdruck bringt.
Es ist dies einer der wenigen Höhepunkte einer Inszenierung, die sich viel vorgenommen hat, diese Vielheit an Gedankenspielen aber so sehr in seine Einzelteile zerlegt, dass man sich schon zur Pause recht ratlos ...
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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Da ist ein Herr mit klarem Heiratswunsch
Genervt von einer riesengroßen Diva.
Denn der (nicht die) bumst täglich fremd, trinkt Punsch –
Und zürnt damit sein Weib (Frau Almaviva).
Der Typ, der denkt: «Ich darf’s, ich mach’s, denn Macht
Zieht Weiberherzen an!» (Am Schluss gibt’s «Diss»!)
«Ich treff’ Susanne heute Nacht um acht!
Ich bin so hot, ich bin so stark, so...
Das Cover, nun ja, ein bisschen arg artifiziell ist es schon. Es präsentiert eine junge Frau mit kritisch-herbem, zur Seite gerichteten, beinahe abweisenden Blick; Lippen und Teile der Schulter sind mit Goldstaub bedeckt. Aber das Bild passt zum Titel des Albums, das Robyn Allegra Parton aufgenommen hat: «Burnished Gold» bedeutet so viel wie «poliertes Gold». Und...
An diesem Stück fasziniert vieles. Zum Beispiel wirkt es zunächst in seinen derben Rollen- und Geschlechterbildern ganz dem 18. Jahrhundert verhaftet, scheint sich aber zugleich auch schon über diese lustig zu machen. Gegen Ende hin dreht es dann ab in eine subversive Absurdität, die auf eine Weise modern wirkt, wie sie eigentlich erst im Dadaismus nach dem Ersten...
