Der Held auf dem Felsen
Am Tag, als sein Tod die Opernszene erschütterte, war er noch einmal in einem Filmausschnitt zu sehen. Videokünstler Manuel Braun hatte diesen in den sozialen Netzwerken verbreitet: die Schlusssequenz aus dem Bayreuther «Tannhäuser». Stephen Gould saß da neben Lise Davidsen am Steuer, er als Clown geschminkt, ihr Kopf an seiner Schulter ruhend. Gould steuerte den alten Citroën-Bus, untermalt vom triumphierenden Schlusschor, ins Licht.
Eine utopische Szene in der Inszenierung von Tobias Kratzer, gezeigt auf einer Leinwand, größtmöglicher Gegensatz zum brutalen Ende der realen Gestalten unten auf der Bühne. Wer sich diese Szene noch einmal ansah, konnte sich der Tränen nicht erwehren.
Gould selbst hatte seinen Tod angekündigt. Erst nach dem Ende der Festspiele, um ihren Ablauf, die Atmosphäre und «die heldenhaften Anstrengungen» des dortigen Teams nicht zu beeinflussen. Viel offenbarte das von diesem Künstler: Auch seine Redlichkeit, seine Offenherzigkeit, seine Ehrlichkeit und seine Professionalität machten ihn singulär. Eigentlich war der US-Amerikaner als Tannhäuser, Tristan und Siegfried vorgesehen. Doch schon vor dem Sommer war Gould klar, dass er mit 61 Jahren den Kampf gegen ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel
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Zugegeben: Unterhaltungswert hat dieser forcierte Frohsinn schon auch. Die Römer als muntere queere Gesellschaft, die sich in Science-Fiction-Trash in Rosa, Rot und Orange suhlt und das Ballett als glamouröses LGBTQIA+-Musical aufführt; die Christen als bodypositive FKK-Sekte von Mutanten ohne Geschlechtsteile, denen dafür zusätzliche Gliedmaßen vom Rücken baumeln....
