Der Glanz von dunklem Silber
Wenn man ihn des Diebstahls geistigen Eigentums bezichtigte, pflegte Händel sarkastisch zu reagieren: «Diese Dummköpfe», soll er gepoltert haben, «wissen doch gar nichts mit einer guten Idee anzufangen.» Oft lag er damit richtig. Doch Alessandro Scarlatti, dem er nicht nur eine Vielzahl an melodischen Einfällen, sondern auch Vorbilder für die prägnante Gestaltung von Arien, Kantaten und Opern verdankte, tat er mit dem nonchalanten Spruch sicher Unrecht.
So hat er etwa das Thema der Arie «Non so qual più m’ingombra» aus Scarlattis Weihnachtskantate in seinem «Messiah» noch knapper gefasst, gleichsam auf den Punkt gebracht. Wer jedoch meint, das Original deswegen links liegen lassen zu können, verpasst eine weitere wunderbare Eingebung im zweiten Teil: Hier greift Scarlatti das Bild von der im Frost erblühenden Blume auf, um die Kälte, die das Christuskind bedroht, mit kühnen eisig-dissonanten Harmonien zu schildern.
Schon dieses Beispiel zeigt, dass es großen stilistischen Feingefühls bedarf, um sich als Sänger auf überzeugende Weise mit einem reinen Scarlatti-Album zu präsentieren. Elizabeth Watts ist dieses Wagnis eingegangen. Mit «Con eco d’amore» gelingt ihr eine Rehabilitierung ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Carsten Niemann
Sieben Stücke für das Musiktheater hat er geschrieben, darunter ein Werk über «Gilgamesch», das älteste Epos der Literaturgeschichte, und eine Reflexion über den Orpheus-Mythos: «Der unendliche Gesang». Das Unabschließbare, Uneinholbare, Ungeordnete ist überhaupt der mentale Ausgangs- und Angelpunkt des Komponisten, dem das Kuratorium der Ernst von Siemens...
Ein leises Rauschen flutet den Saal, es ist kaum zu hören. Alles fließt. Woher kommen diese sanften, unsichtbaren Wellen? Aus dem planen, grünblauschwarz schimmernden Firmament? Von den elf kalt leuchtenden Röhren, die wie Brennstäbe das minimalistische Bühnenbild durchstechen? Oder von der erhöhten, leicht gekippten Glasscheibe und dem fragilen Stelzensteg, der...
Die Bühne bleibt schwarz, während die Polonaise zum dritten Akt erklingt. Barrie Kosky zeigt uns keinen Ball beim Fürsten Gremin. Das Schweigen der Bilder könnte ein Gleichnis sein für das Trauma, unter dem Jewgeni Onegin leidet, seit er seinen Freund Lenski im Duell getötet hat. Das Schweigen der Bilder könnte aber auch hier, an der Komischen Oper Berlin, Ausdruck...
