Der Auftraggeber

Neue Stücke für sein Land: DAVID GOCKLEY, Amerikas führender Opernintendant, zieht sich zurück

Man muss ihn einen erfolgreichen Sisyphus nennen, und so sieht er sich auch selbst. Als Opernintendant in Amerika hat David Gockley den Stein der Ästhetik immer den Berg hochgerollt, um zu sehen, wie er auf der anderen Seite als Stein der kommerziellen Abhängigkeit wieder herunterrollte. Abgehalten von seiner unerschrockenen Politik der Innovation hat ihn das nicht.

Wenn es einen Impresario in Amerika gibt, dem der Spagat zwischen künstlerischen Ambitionen und Fundraising gelang, dann ist es der smarte Mann aus Philadelphia, der nur zwei Posten als General Manager innehatte – in Houston und San Francisco – und doch in der Operngeschichte seines Landes neben die Größten, etwa Rudolf Bing, den langjährigen Chef der Metropolitan Opera, gestellt werden muss.

Von Rudolf Bing, der es immerhin wagte, eine Maria Callas zu brüskieren, stammt das konser­vative Credo schlechthin: Er könne bei neuen Werken vom ersten Rang der Met getrost einen Stein ins Parkett werfen, verletzt würde dabei niemand –  weil dort sowieso niemand säße. David Gockley hat das Gegenteil bewiesen. Von 1972 an machte er über einen Zeitraum von 33 Jahren die Houston Grand Opera, deren Neubau er initiierte, zu einem der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Wolfgang Sandner

Weitere Beiträge
Totenkopf und Teufelshörnchen

So problematisch Arrigo Boitos ideengeschichtliche Dämpfung der Erstfassung seines «Mefistofele» und der Rückgriff auf Elemente des traditionellen italienischen Melodramma sein mögen, das Werk enthält in seiner finalen Gestalt von 1875 etliche saftige Stücke fürs melomane Publikum und szenisch Packendes. Man muss das Lob ja nicht so überziehen wie Bernard Shaw, der...

Sog der Finsternis

Wie kein anderer Komponist der Gegenwart hat sich Georg Friedrich Haas in seinem Schaffen einer am Übergang vom Licht zur Dunkelheit angesiedelten Musik verschrieben.  Dabei experimentiert er nicht nur mit der schattenhaften Abdunkelung der Klänge, sondern auch mit der Saalbeleuchtung. Bereits in dem groß angelegten Orchesterwerk «in vain» und in der Kammeroper...

Vorbild FC Bayern

Herr Ruhe, an vielen Häusern ist das Opernstudio eher ein Pool für Billigkräfte oder pädagogisches Beiwerk. Ihr Büro befindet sich auf einer Etage mit Intendanz, Dramaturgie und Künstlerischem Betriebsbüro. Ist der Sänger-Nachwuchs hier Chefsache?
Wir stehen tatsächlich im Zentrum des Hauses. Dafür kämpfe ich. Das KBB ist eng in die Ausbildung involviert und kommt...