Das sagt sich nicht

«Parsifal» à la française: In Toulouse transformieren Aurélian Bory und Frank Beermann Wagners Bühnenweihfestspiel ins Metaphysische, in Strasbourg rücken Amon Miyamoto und Marko Letonja das Stück ins Museum «Humanité»

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Derart irisierend ereignen sich Richard Wagners utopische Augenblicke womöglich nur in Frankreich. Der Solo-Oboist des Orchestre National du Capitole beglaubigt das Bekenntnis zur Empathie so einfühlsam, er umspielt die Parsifal-Stimme des Nikolai Schukoff derart liebevoll («sehr zart» schreibt die Partitur für diese Pianissimo-Phrase vor), dass der durch Mitleid wissend gewordene reine Tor erst in diesem Vorgang der Verschmelzung mit dem seinerseits wissenden Orchesterkommentar seine heilende Wirksamkeit entfalten kann.

«Du weinest», singt Parsifal der Kundry mit hingebungsvoller halber Stimme zu und setzt dialektisch vielsagend die erlöste Natur preisend hinzu: «... sieh, es lacht die Aue!» Der Karfreitagszauber als musikalisches Mysterium. Die Wagner durch Schopenhauer vermittelte Lesart einer Ethik der «Compassione» schwingt vernehmlich mit. Und diese Weitung weg vom kirchlich Konfessionellen ins Allgemeingültige setzt Aurélien Bory fort, der in Toulouse die Funktionen des Bühnenbildners und Regisseurs verbindet.

Um seine «Parsifal»-Visionen in die Tat umzusetzen, blendet der für seine Installationen bekannte Bory bereits zum Vorspiel des Ersten Aufzugs munter umherhüpfende ...

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Opernwelt März 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Peter Krause

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