DAS BOSHAFTE KOLLEKTIV
Wenn die Vorderseiten und Rückwände von Fachwerkhäusern mit all ihren privaten Innen- und öffentlichen Außenansichten als gleichsam biedermeierlich verniedlichte Versatzstücke eines zitierten Spätmittelalters über die Drehbühne des Theater Kiel geschoben werden, legen Regisseurin Luise Kautz und ihr Bühnenbildner Valentin Mattka listigklug eine falsche Fährte.
Denn nichts läge dem Team ferner, als einen historisierenden bunten Bilderbogen zu inszenieren, der das Konzil von Konstanz des Jahres 1414 nachzeichnen würde, jenen Hintergrund von Fromental Halévys Monumentaloper «La Juive», in der auf Eugène Scribes Libretto von der Pogromstimmung berichtet wird, mit der die katholische Mehrheitsgesellschaft einst der jüdischen Minderheit das Leben schwer machte. Die Vielen duldeten die Wenigen und müssen dies im reinen Wortsinn sogar als Akt der Toleranz empfunden haben: als ein Aushalten jener Abweichler, die in der vergleichsweise offenen Gesellschaft einer freien deutschen Reichsstadt insoweit willkommen waren, als dass sie dem Gemeinwesen ökonomische Vorteile brachten. Doch das Potenzial zur Aggression schwelt stets unterschwellig wie die Glut unter der Oberfläche, die jederzeit ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Peter Krause
Frau Loschky, mit Ihrer Inszenierung von Christian Josts Musiktheater «Rote Laterne» 2016 am Opernhaus Zürich sind Sie erstmalig in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit getreten. Hat diese Initialzündung Ihr Leben verändert? Brauchten Sie das, um der Opernwelt zu zeigen, was Sie können? Und war es wichtig für das, was man gemeinhin mit dem zweifelhaften...
ICH BIN SEHR DANKBAR
Laura Berman
Staatsoper Hannover
Seit ich 1983 nach Deutschland kam, lese ich die «Opernwelt». (Na ja, ich habe damals mit dem Magazin quasi Deutsch lesen gelernt!) Für Opernmacher:innen ist die Zeitschrift extrem wertvoll – zum Beispiel, um über die Arbeit von Kolleg:innen weit und breit gut informiert zu bleiben. Im enthusiastischen und...
Sie waren wohl das, was man ein Traumpaar nennt: der Regisseur Luc Bondy und der Komponist Philippe Boesmans. Vier Arbeiten realisierten die beiden fantasiebegabten Naturen, drei davon am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel, wo Boesmans seit Mitte der 1980er-Jahre als Hauskomponist wirkte; er schrieb die Musik, Bondy verfasste das Libretto, führte Regie. Und...
