DAS BOSHAFTE KOLLEKTIV
Wenn die Vorderseiten und Rückwände von Fachwerkhäusern mit all ihren privaten Innen- und öffentlichen Außenansichten als gleichsam biedermeierlich verniedlichte Versatzstücke eines zitierten Spätmittelalters über die Drehbühne des Theater Kiel geschoben werden, legen Regisseurin Luise Kautz und ihr Bühnenbildner Valentin Mattka listigklug eine falsche Fährte.
Denn nichts läge dem Team ferner, als einen historisierenden bunten Bilderbogen zu inszenieren, der das Konzil von Konstanz des Jahres 1414 nachzeichnen würde, jenen Hintergrund von Fromental Halévys Monumentaloper «La Juive», in der auf Eugène Scribes Libretto von der Pogromstimmung berichtet wird, mit der die katholische Mehrheitsgesellschaft einst der jüdischen Minderheit das Leben schwer machte. Die Vielen duldeten die Wenigen und müssen dies im reinen Wortsinn sogar als Akt der Toleranz empfunden haben: als ein Aushalten jener Abweichler, die in der vergleichsweise offenen Gesellschaft einer freien deutschen Reichsstadt insoweit willkommen waren, als dass sie dem Gemeinwesen ökonomische Vorteile brachten. Doch das Potenzial zur Aggression schwelt stets unterschwellig wie die Glut unter der Oberfläche, die jederzeit ...
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Opernwelt 6 2022
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Peter Krause
Mit seinen mehr als 400 Liedern gehört der Schweizer Othmar Schoeck zu den produktivsten musikalischen Lyrikern des 20. Jahrhunderts. Im Konzert begegnet man den originellen, stilistisch zwischen Spätromantik und Moderne vermittelnden Kompositionen höchst selten. Selbst eine 2017 erschienene Gesamtedition seines Liedœuvres auf zwölf CDs hat nichts daran geändert....
Anlass, Datum und Ort waren mit Bedacht gewählt. Pünktlich zur alljährlich gefeierten Wiederauferstehung Jesu Christi, am Ostersonntag Anno Domini 1708, erlebte Georg Friedrich Händels Oratorium «La Resurrezione» seine prunkvolle Uraufführung in der ewigen Stadt. Im salone d'onore al piano nobile des Palazzo Bonelli war eigens dafür eine Bühne errichtet worden, an...
Die Holländische Straße in Kassel ist nicht unbedingt das, was man eine schicke Flaniermeile nennen würde. Prosaische Nachkriegsarchitektur dominiert, die vorherrschende Farbe ist mattes Grau, Geschäfte und Wohnhäuser reihen sich schmucklos aneinander. Eine typische Ausfallschneise eben, ohne Flair, ohne Charme. Im April 2006 erlangte diese Straße traurige...
