Dampfende Lokomotiven

Das Rossini-Festival in Wildbad präsentiert Bekanntes wie Rares und punktet auch in diesem Jahr mit dem stupenden vokalen Nachwuchs

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Mit Beethoven hat die Schweinerei in der Musik begonnnen.» Der Satz könnte manchen Klassikverehrer schier in Rage versetzen: als kulturrevolutionär-dadaistische, schier blasphemische Schmähung eines schlechthin Erhabenen. Dabei stammt die Sentenz mitnichten von einem dandyhaften Provokateur: Der Wiener Komponist Josef Matthias Hauer geriet zwar mit Arnold Schönberg in einen kuriosen Prioritätenstreit über Zwölftonmusik, ging aber völlig andere Wege. Hauer suchte eine Tonkunst überindividueller Gleichartigkeit als Pendant kosmischer Ordnung.

Seine «Zwölftonspiele» stehen für eine entsubjektivierte Musik, deren «Ausdruck» mehr in quasi kristallinen Permutationen statischer Intervallkonfigurationen gründete. Konsequent wurden Beethovens dynamische Entwicklung, dessen Finaltendenz und Kontrastschärfung bis hin zur übermusikalischen Menschheitsbotschaft ein Feindbild. Denn gerade in der deutschen Musik galten formale wie strukturelle Komplexität und Ausdruckskraft als Vorbild. Werke, die nicht mit polyphoner Kunst, hoher Arbeit, emotionaler Dringlichkeit und bedeutungsträchtiger Tiefe imponierten, galten rasch als «bloßer Sinnenkitzel». Hinzu kam der nationalistische Affekt wider ...

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Opernwelt 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Gerhard R. Koch

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