Damals wie heute
FOKUS ´33» heißt die neue Reihe, mit der die Oper Bonn verstärkt Werke ins Blickfeld rückt, die nach 1933 oder ab 1945 aus den Spielplänen verschwanden. Nach Rolf Liebermanns «Leonore 40/45» und Giacomo Meyerbeers «Ein Feldlager in Schlesien» – immerhin Komponisten, deren Namen man kennt – hatte jetzt die seit 1945 nicht mehr aufgeführte Oper «Li-Tai-Pe» des gänzlich vergessenen Clemens von Franckenstein Premiere und wurde vom Publikum begeistert akklamiert.
Franckenstein, ein Jugendfreund Hofmannsthals und langjähriger Intendant der Münchner Oper, schreibt in dieser 1920 uraufgeführten und bis 1944 vielgespielten Chinoiserie eingängige, handwerklich gekonnte Musik – eklektische Neuromantik mit kräftigen Anleihen bei Wagner und Strauss. Er bedient sich bei seinem Oszillieren zwischen Schmiss und Schmalz aber auch Techniken der zeitgenössischen Unterhaltungsmusik und färbt das exotische Künstlerdrama um den chinesischen Dichter Li-Tai-Pe mit impressionistischen Anklängen fernöstlich ein. Einen eigenen Ton findet der Komponist vor allem als Lyriker wie im leitmotivisch die Oper grundierenden melancholischen Lied vom Kormoran oder im Preislied auf die Liebe, mit dem Li-Tai-Pe die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 7 2022
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Uwe Schweikert
JUBILARE
Das sängerische Können des US-amerikanischen Baritons Thomas Jamerson fand von den späten 1960erbis hin zu den 1990er-Jahren viel Beachtung. Richtig prominent trat er 1968 erstmals in Erscheinung als er im Studio die Rolle des Barone Douphol in Verdis «La traviata» mit Georges Prêtre am Pult des RCA Italiana Orchestra an der Seite von Montserrat Caballé...
Im Januar 1907 stürmt eine höchst energische Britin in das Büro des jungen Kapellmeisters Bruno Walter in der Wiener Staatsoper und zwingt ihn, unerbittlich von seinem Klavier Besitz ergreifend, eine ganze Oper über sich ergehen zu lassen: «The Wreckers», ein finsteres, an der Küste von Cornwall spielendes Stück um eine verbrecherische Methodistengemeinde, die...
Den nationalen Theaterpreis «Goldene Maske» öffentlich zu verleihen, wie es bislang 28 Mal üblich war, ist in Krisenzeiten ein Ding der Unmöglichkeit. Man weiß in Russland um die starken emotionalen Reaktionen der Theatermacher und kann sich ausmalen, wie sie bei ihren Bühnenauftritten in der einen oder anderen Form ihren Protest gegen den Krieg zum Ausdruck...
