Viel Aufwand, wenig Wirkung

An der Deutschen Oper Berlin bringen Johannes Kalitzke und Claus Guth das vierte Bühnenwerk von Chaya Czernowin heraus: «Heart Chamber»

Schon mal was von ASMR gehört? Wir auch nicht. Autonomous Sensory Meridian Response – so nennt die Medizin eine Körperreaktion, die sich wie ein wohliges Kribbeln auf der Haut anfühlt. Manchmal wird es durch eine leichte Berührung ausgelöst, manchmal durch den Tonfall einer Stimme oder ein Geräusch. Was da genau passiert und warum, ist wissenschaftlich bislang kaum untersucht worden.

Der Komponistin Chaya Czernowin ist das Phänomen offenbar so vertraut, dass es in ihrer neuen Oper als eine Art Motto firmiert: Gleich drei Abschnitte der Partitur sind mit dem Kürzel ASMR überschrieben – sprachlose Passagen, in denen zum Beispiel, elektronisch verstärkt und verfremdet, Atemluft zischelt, Murmeln rollen, Kämme sirren. Elektrisierende Schauer laufen beim Hören allerdings nicht über den Rücken, auch wenn eine mit dem Kontrabass verkuppelte Vokalartistin zwei scheue «hahaha»-Triolen beisteuert, die vier Solisten verstohlen Frikative stammeln und ein Instrumentalquartett (Sopransaxofon, E-Gitarre, Schlagwerk, Klavier) ein paar Klangtupfer einstreut.

«Heart Chamber» hat Czernowin ihre vierte Arbeit für die Musiktheaterbühne genannt. Untertitel: «An inquiry about love». Die Story: Eine ...

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Opernwelt Januar 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Albrecht Thiemann