Cong Su: Cuba libre

Erfurt

Guy Montavons zweiter Kompositionsauftrag für sein neues Haus heißt ambitioniert: «Cuba libre». Das Resultat hat aber mehr mit einem abgestandenen Cocktail als mit Freiheit in der Karibik zu tun. Denn die «Neue Welt Musik», die der Filmkomponist Cong Su schreiben wollte, ist allenfalls eine beliebige Allerweltsmusik. Sie gerät nicht nur wegen der verwendeten Mikroports in Musical-Nähe, «traut» sich die Vorzüge dieses Genres dann aber doch nicht zu nutzen.

Vor allem das Gemisch aus Klischeezitaten, das als «Entlarvungs-Sound» bedeutend tut, bleibt so platt wie sein Vorbild: marschierend skandierende Chöre, die dem Revolutionsführer zujubeln. Dann die Demonstration für ein «freies Kuba», zu der die abtrünnige Cas­tro-Tochter Alina ihre Spitzentöne beisteuert. Dazu kommt eine unsäglich zwischen Zotenreimerei und kitschverdächtigem Pathos stecken bleibende Textgrundlage. Dabei hat es die Vor­lage, aus der Daniel Call das Libretto des­tillierte, durchaus in sich. Reinaldo Are­nas’ Autobiografie «Bevor es Nacht wird» berichtet nämlich von einem Lebensscheitern in tragischem Format: Zunächst auf Cas­tros Seite, wurde der 1943 geborene Kubaner als kritischer Schriftsteller und ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 56
von Joachim Lange

Vergriffen
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