Chapeau!

Brigitte Fassbaenders Autobiografie «Komm’ aus dem Staunen nicht heraus» nimmt kein Blatt vor den Mund, ist selbstkritisch und sich für nichts zu schade – findet die Sopranistin Simone Kermes, die das Buch für uns gelesen hat

Opernwelt - Logo

Ich habe geweint ... und das nicht nur einmal, bei den bewegenden Memoiren von Brigitte Fassbaender. Der Titel hat recht: «Komm’ aus dem Staunen nicht heraus.» Ein Zitat aus  dem «Rosenkavalier», mit dem sie als Mezzosopran international berühmt wurde, in ihrer Glanzrolle als Octavian.

Staunen! Auch darüber, dass sie ihre Autobiografie selbst verfasst hat, ohne den üblichen Ghostwriter. Erstaunliche Wahrheiten einer großen Sängerkarriere: so grundehrlich, rigoros und lustig, dass ich ihren Mut bewundere, dies alles auszusprechen.

Und oft musste ich mich fragen: Haben wir Sänger alle die gleiche Lebenslaufbahn? Ich dachte schon, ich lese meine eigene Geschichte: Wir beide verpassten das Abitur, hassten Sport, liebten aber Deutsch, haben Rückgratverkrümmung, wollten aber Sängerin werden. Sind nie dem richtigen Mann begegnet, aber glauben an ein Leben nach dem nächsten Leben. Und doch gibt es einen großen Unterschied: Brigitte Fassbaender wurde die Musik kunstvoll in die Wiege gelegt, während ich mit jedem Ton gegen meine Mutter ankämpfen musste.

Ihr Vater ist ein renommierter Opernsänger, die Mutter eine beliebte Schauspielerin. Ein Haus voller Musik und Kultur, schon früh lernt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Simone Kermes

Weitere Beiträge
Gesamtkunstwerke

Alles schon einmal dagewesen. Mit Maßanfertigungen für Farinelli haben bereits Vivica Genaux, Philippe Jaroussky oder Bejun Mehta Silberscheiben bestritten. Selbst das Conchita-Wurst-Styling von Cecilia Bartoli, als provokatives Gender-Pendeln gemeint, kennt man aus ihrem Salzburger «Ariodante». Bemerkenswert ist eher: Die Koloraturmaschine tuckert noch immer rund...

Spielzeugtheater

Uraufgeführt wurde die fünfte Oper des irischen Komponisten Gerald Barry 2016 in Los Angeles konzertant; im selben Jahr kam sie ans Londoner Barbican Center. Das Royal Opera House präsentierte «Alice’s Adventures Under Ground» nun erstmals szenisch, mehrmals täglich und in wechselnder Besetzung, beginnend mit Matineen an Londoner Schulen: eine vorzügliche Idee für...

Neu belebt

Kaum zu glauben, dass diese Oper so spannend, so berührend wirken würde. Mit seiner Opernreform hat Christoph Willibald Gluck Geschichte geschrieben, von seinen 50 Opern werden aber nur noch wenige gespielt – jene «edle Einfachheit», die Gluck propagiert hatte, wurde rasch zum Ausgangspunkt neuer Entwicklungen und trägt heute Züge des Verstaubten. Allein, das muss...