Butterflys Schwester

Die Berliner Operngruppe setzt sich für Pietro Mascagnis Meisterwerk «Iris» ein

Giacomo Puccini höchstpersönlich saß am 22. Mai 1898 neben anderen Berühmtheiten im Publikum des römischen Teatro Costanzi, als die Oper «Iris» von Pietro Mascagni, der wie er selbst aus der nördlichen Toskana stammte, uraufgeführt wurde. Sein ehemaliger Kommilitone war früh erfolgsverwöhnt: Mit «Cavalleria rusticana» hatte er 1889 den ersten Preis beim Kompositionswettbewerb des Verlagshauses Sonzogno errungen. Die Tantiemen seines folkloregetränkten, veristischen Eifersuchtsdramas auf Vergas Novelle sollten ihm lebenslang ein gutes Einkommen sichern.

Auch sein Heinrich Heine operntauglich machender Erstling «Guglielmo Ratcliff» stieß nun endlich auf Interesse, er kam 1895 an der Mailänder Scala heraus. Doch trotz 16 Bühnenwerken und wiederholter Erfolge bei deren Premieren setzten sich weder sein kammermusikalisch filigraner, melodienströmender «L’Amico Fritz» noch die spätere «Lodoletta» (die immerhin Enrico Caruso 1918 an der New Yorker Met als Maler adelte, dem die titelgebende Femme fatale aus der Lebensmitte ihres Dorfes nach Paris folgt) langfristig auf den Spielplänen durch. Mascagni ging als Schöpfer eines einzigen Hits in die Operngeschichte ein, der, da als Einakter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 37
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Vom Kürbis behüt(t)et

Üblicherweise sorgt der ausgeweidete, mit Augen- und Nasenhöhlen sowie spitzen Zahnreihen versehene, von Kerzen illuminierte Kürbiskopf für Grusel. Zumal zu Halloween. Dass das massive Gemüse dem Schrecken aber umgekehrt auch Einhalt zu gebieten vermag, lehrt uns das Album «Heinrich Albert’s Pumpkin Hut» von Dorothee Mields und dem Hathor Consort unter Romina...

Welttheater

Das Stück? Im Grunde unspielbar. Ein Ungetüm mit 50 Personen, in seiner Urgestalt elf Stunden lang, mehr geschichtsphilosophisches Opus summum seines Schöpfers, bis zum Bersten gefüllt mit katholisch grundierter Anschauung und durchdrungen von jenem feu sacré, das auch die anderen Theatertexte Paul Claudels erleuchtet. «Le Soulier de satin», zwischen 1919 und 1923...

Weil es ohne Wahrheit kein Glück gibt

Am 9. Mai 2021 wäre sie 100 Jahre alt geworden. Doch Sophie Scholl erlebte nicht einmal ihren 22. Geburtstag. Wie ihr Bruder Hans, weitere Mitglieder der Widerstandsgruppe «Weiße Rose» und unzählige andere couragierte Gegner des nationalsozialistischen Terrorregimes geriet die kluge, aufgeklärte junge Frau in die Fänge der Gestapo; am 22. Februar 1943 wurden Sophie...