Britten: The Turn of the Screw

Dessau, Britten: The Turn of the Screw

Opernwelt - Logo

Mit Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw» tun sich gerade deutsche Theater schwer: Statt die Geschichte in dem absichtsvollen Schwebezustand zwischen Wahn und Realität zu belassen, der schon die novellistische Vorlage von Henry James auszeichnet, nehmen die meisten Inszenierungen des 1954 uraufgeführten Werks eindeutige Schuldzuweisungen vor: Entweder sind die beiden Zöglinge Miles und Flora durch das ehemalige Hauspersonal ihres Vormunds verdorben worden, oder es ist die junge Gouvernante, die eine Schraube locker hat.

Auch in Dessau wird schnell klar, wem Regiedebütantin Jana Eimer den schwarzen Peter zuschiebt: Sie erzählt das Stück mit einfachen Mitteln und klaren Symbolen als Protokoll der fortschreitenden Schizophrenie einer jungen Frau, deren unerfüllte Sexualität zusehends in Verfolgungswahn kippt. Das hat starke Momente: Etwa wenn die Gouvernante ihr hochgeschlossenes Flanellkleid aufknöpft und in zaghaftem Verlangen nach Nähe ihren eigenen Körper streichelt, oder wenn sie vor der plumpen körperlichen Vertrautheit der Haushälterin Mrs. Grose zurückschreckt. Aber leider verliert die Geschichte viel von ihrem Geheimnis, zumal die Geister der beiden verstorbenen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Menschlich, allzu menschlich

Das ganze Drama, die ganze Tragik steckt in drei Takten. Wenn man den Sextaufschwung und den fallenden Sekundschritt abzieht, mit denen die Celli, pianissimo, auf jenen berühmten Akkord hinleiten, den Wagner ins Zentrum seiner symphonisch flutenden «Handlung in drei Aufzügen» stellt, sind es sogar nur zwei Takte, die gleich zu Beginn das fatale Glück Tristans und...

Geschichte als Gegenwart

Bei den großen Sängern der jüngeren Vergangenheit sind zwei Typen zu unterscheiden: die historischen und die zeitlosen. Lisa della Casa, die vor einigen Monaten ihren 90. Geburtstag feierte, gehört zu der zweiten Kategorie. Hört man sich ihre Aufnahmen an, so ist man immer wieder überrascht von der Frische ihrer Stimme und der Gegenwärtigkeit ihrer...

Amazonenkämpfe im Mädchenpensionat

Sie ist lange Jahre eines der großen unterschätzten Werke des 20. Jahrhunderts gewesen, Othmar Schoecks grandiose, düster glühende Kleist-Vertonung, aber jetzt scheint ihre Zeit gekommen zu sein. Nach Cottbus (OW 12/2003), Basel (OW 12/2007) und Dresden (OW 4/2008) legt Lübeck eine außerordentlich geglückte Inszenierung des Werks vor, die nahe an seinem Wesenskern...