Britten: The Turn of the Screw
Mit Brittens Kammeroper «The Turn of the Screw» tun sich gerade deutsche Theater schwer: Statt die Geschichte in dem absichtsvollen Schwebezustand zwischen Wahn und Realität zu belassen, der schon die novellistische Vorlage von Henry James auszeichnet, nehmen die meisten Inszenierungen des 1954 uraufgeführten Werks eindeutige Schuldzuweisungen vor: Entweder sind die beiden Zöglinge Miles und Flora durch das ehemalige Hauspersonal ihres Vormunds verdorben worden, oder es ist die junge Gouvernante, die eine Schraube locker hat.
Auch in Dessau wird schnell klar, wem Regiedebütantin Jana Eimer den schwarzen Peter zuschiebt: Sie erzählt das Stück mit einfachen Mitteln und klaren Symbolen als Protokoll der fortschreitenden Schizophrenie einer jungen Frau, deren unerfüllte Sexualität zusehends in Verfolgungswahn kippt. Das hat starke Momente: Etwa wenn die Gouvernante ihr hochgeschlossenes Flanellkleid aufknöpft und in zaghaftem Verlangen nach Nähe ihren eigenen Körper streichelt, oder wenn sie vor der plumpen körperlichen Vertrautheit der Haushälterin Mrs. Grose zurückschreckt. Aber leider verliert die Geschichte viel von ihrem Geheimnis, zumal die Geister der beiden verstorbenen ...
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