Unter Wasser

Annilese Miskimmon zeigt in Oslo mit «Billy Budd», wohin männliche Gewaltfantasien führen können, Mark Wigglesworth deutet Brittens Oper als expressionistisches Musikdrama

Manche Bilder, so sehr man sich darum bemüht, wollen nicht aus dem Kopf. Zum Beispiel jene bizarr-absurde Pointe am Ende von Lothar-Günther Buchheims Filmklassiker «Das Boot». Zwischen Skylla und Charybdis, unter unerhörtem physischen wie psychischen Druck, hat sich das deutsche U-Boot hindurchgeschlängelt, ist in den vermeintlich sicheren Hafen gelangt. Der Himmel ist sonnig-blau, das unerwartete Glück zum Greifen nah. Doch dann hagelt es Bomben – der Tod kommt aus der Luft, nicht aus dem Wasser.

Womöglich hatte Annilese Miskimmon, seit zwei Jahren Intendantin der Norske Operaen, Szenen wie diese im Kopf, als sie ihre erste Regiearbeit für Oslo vorbereitete, Brittens «Billy Budd». Und vielleicht ließ sie sich bei ihrer Entscheidung, ein U-Boot auf die Bühne hieven zu lassen, nicht nur von der Geschichte leiten, sondern dachte den entscheidenden Schritt weiter: wie es ist, wenn die Welt auf eine stählerne, atemfreie Hülle zusammenschrumpft.

Die Musik in «Billy Budd» erlaubt die Metaphern: Enge und Reibung, Implosion und Explosion, Depression und Aggression. Schon die Terzen des Prologs kratzen einander, d-h und d-b, Dur und Moll. Im weiteren Verlauf der Oper erscheint dieses ...

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Opernwelt März 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten