Bittersüßer Reigen

Das belgische Künstlerkollektiv FC Bergman und der Dirigent David Reiland verwandeln Bizets «Pêcheurs de perles» in Antwerpen in ein anrührend melancholisches Abschiedsdrama

Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt.

Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König (Zurga), der unerwartet seinen verlorenen Busenfreund wiedertrifft, einen Fischer (Nadir); mit einer Schönheit, die einst von beiden umschwärmt wurde und nun dem Hindu-Gott Brahma ewige Treue schwört (Léïla); und mit einem Großpriester, der von jedem Blutzoll fordert, der die heiligen Gesetze bricht (Nourabad). Ein abenteuerlicher Schmarren. Und doch: Am Ende reiben wir uns ergriffen die Augen – verblüfft, überwältigt und noch immer rätselnd, warum dieses holprige, vor allem wegen seiner herrlichen Wunschkonzertnummern gern ins Programm gerückte Dreiecksdrama in den Tropen plötzlich packt, ja absolut schlüssig wirkt.

Vielleicht hat das mit der liebevollen, scheinbar naiven Sympathie zu tun, die Marie Vinck, Stef Aerts, Thomas Verstraeten und Joé Agemans, die vier Mitglieder der seit zehn Jahren aktiven ...

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Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Albrecht Thiemann