Bitte nicht stören!

Berlin: Komische Oper: Poulenc: Gespräche der Karmelitinnen

Der erwartete und von manchem erhoffte Skandal blieb aus. Der katalanische Regie-Berserker Calixto Bieito ist wohl zu sehr Katholik, um sich an einem Werk wie den «Gesprächen der Karmelitinnen» zu versündigen. Mit einer gewissen Demut nähert er sich dem Stück, das er sich für seine vierte Inszenierung an der Komischen Oper selbst ausgesucht hat. Er legt es zunächst wie ein szenisches Oratorium an, in eher zögerlichen Schritten entsteht Theater. Das Kloster ist für ihn Metapher für den Körper, in dem wir eingeschlossen sind.

Das Einheitsbühnenbild von Rebecca Ringst ist ein Baugerüst, in dem 48 in vier vierstöckigen Reihen angeordnete Eisenbetten stehen. Die Nonnen tragen Alltagskleidung. Es gibt keine Hinweise auf die historische Zeit der Handlung. 

Solche Abstrahierung und Stilisierung tut dem Stück gut und erleichtert denjenigen Zuschauern, die mit Religion nicht viel anzufangen wissen, den Zugang zu der Geschichte, in der die inneren Handlungen wichtiger sind als die äußeren, in der es auch weniger um den Glauben geht als um die Angst («Die begnadete Angst» ist der deutsche Titel des zugrunde liegenden Romans von Georges Bernanos). Auch in der Personenführung hat sich Bieito ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Im Focus der Ausgabe August 2011

Es war ohne Frage eine glänzende Spielzeit des Théâtre de la Monnaie in Brüssel: beginnend mit Janáceks «Katja Kabanova» (inszeniert von Andrea Breth), fortgesetzt mit «Parsifal» (bei dem Roberto Castellucci sein Operndebüt gab und Hartmut Haenchen dirigierte) bis hin zu diesem Finale: Meyerbeers «Les Huguenots» in einer Fassung, wie sie selbst der Komponist so...

Musikalisches Neuland

Ein-, am besten zweimal pro Spielzeit musste Barock sein. Ein bisschen Monteverdi, besonders aber Händel. Und je weiter diese Münchner Renaissance zurückliegt, desto mehr verklären sich jene grellbunten Spektakel, die Sir Peter Jonas damals an Bayerns Staatsoper anrichten ließ. Vor allem wird vergessen: Die Wiederaufnahmen verkauften sich immer schwer. Die...

Fiesheit und Leidenston

Die Werkgeschichte ist so kompliziert wie die Zeit, in der Schostakowitschs Oper «Lady Macbeth von Mzensk» zur Welt kam. Nach der Premiere 1934 wurden im Folgejahr die  ersten (Text-)Änderungen vorgenommen, bevor die Oper nach dem Prawda-Aufsatz «Chaos statt Musik» erst einmal auf dem Index landete und erst 30 Jahre später in einer von Schostakowitsch weiter...