Aus der Mottenkiste

Bellini: Norma
HAMBURG | STAATSOPER

Ziemlich fies sind diese Nonnen zueinander, zumal dann, wenn eine von ihnen es wagt, eine Ahnung der eigenen Körperlichkeit, womöglich gar unerlaubte Gelüste des Eros zu entwickeln. Das Keuschheitsgelübde aufzuweichen, zieht härteste Strafen nach sich. Das scheinbar so menschenfreundliche Matriarchat braucht Macht so sehr zum Überleben wie das Pendant des Patriarchats. Die Vorzüge des Mutterrechts vor der bekanntermaßen brutalen Männerherrschaft sind nur mehr relativ.

Ein Idyll der Naturreligion, in dem die Oberpriesterin verzückt der Mondgöttin huldigt und ihre Druiden friedlich froh im Einklang mit den ewigen Gesetzen leben, ist der Wald mitnichten. Norma muss ihre «Casta Diva»-Cavatina in einem Container anstimmen. Kriegsgefahr lauert allerorten – nicht nur im Kampf gegen die verhassten Römer, deren Vertreter schon mal mit einem Kanister Öl übergossen, angezündet und ins Jenseits befördert werden. Auch innerhalb des gallischen Dorfes kriselt es gewaltig. Papa Oroveso übt ordentlich Druck auf Tochter Norma aus, nun endlich zum Angriff gegen die Besatzer zu blasen. Martialisch – und an der Hamburgischen Staatsoper zu Recht ohne die von Vincenzo Bellini für die Mailänder ...

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Opernwelt Mai 2020
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Peter Krause