Belcanto-Athlet
In Verdis «La traviata» einzutauchen, komme ihm vor «wie ein Besuch im Spa», erklärt der Tenor Matthew Vickers. «Es fühlt sich einfach gut an, mich in diesem Stück zu bewegen, es ist wie ein Gesundheitstag für die Stimme.» In der Rolle des Alfredo kann man den 38-Jährigen zurzeit am Staatstheater Darmstadt erleben, wo er seit Beginn dieser Spielzeit fest engagiert ist. Sein beeindruckendes Deutschland-Debüt hat der aus Pennsylvania stammende Sänger allerdings in einem deutlich schweißtreibenderen Fach gegeben: als Titelheld in Offenbachs «Les contes d’Hoffmann».
Nur wenig später ist er in die «Traviata»-Wiederaufnahme eingestiegen und singt in Darmstadt seitdem beide Partien – mitunter fast direkt hintereinander. Der Wechsel vom Heldischen ins Lyrische, vom dramatischen Stil der französisch geprägten Offenbach-Oper zum italienischen Belcanto ist ein Kraftakt. «Das ist auf jeden Fall eine große Herausforderung. Aber ich habe mich beiden Rollen auf eine ganz ähnliche Weise genähert – über die alte italienische Gesangsschule.»
Diese gute, alte Gesangstechnik, die Vickers in seiner Heimat erlernt hat, dient ihm nicht nur als Schlüssel für die großen Belcanto-Rollen. Zu seinen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2024
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Silvia Adler
Die Vokalduette und Vokalquartette von Schubert, Schumann und Brahms führen ein Schattendasein; abseits der Lied-Hochburgen in Heidelberg, Hohenems und Stuttgart begegnet man ihnen kaum je im Konzertsaal. Noch schlechter ist es um die französischen Mélodies À deux voix bestellt, die selbst in ihrem Ursprungsland so gut wie unbekannt sind. Unter diesem Titel haben...
Was der Mensch sei? Es ließe sich diese ewig ungelöste Frage auf sehr verschiedenartige Weise beantworten. Die pessimistische Variante wäre diejenige, die sich auf Dichter, Dramatiker und Denker von Sophokles über Hobbes, Kant, Hölderlin und Schopenhauer bis zu Gottfried Benn beruft und den Menschen als Ungeheuer in den imaginären Raum der Geschichte stellt. Man...
Heinrich Heine wusste sehr wohl, wie kompliziert es um die allerschönste Hauptsache der Welt meist bestellt ist: «Ein Jüngling liebt ein Mädchen, / die hat einen andern erwählt; / der and’re liebt eine and’re, / und hat sich mit dieser vermählt.» Zahllos sind die Dramen, in denen diese Konstellation in vielen Variationen zu veritablen Verwicklungen, Verirrungen und...
